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Winter – Ernste Situation auch für Wildtiere

Foto: © A. Mächler

Foto: © A. Mächler

Die enormen Schneemassen stellen nicht nur uns Menschen vor eine Herausforderung. Aktuell verzeichnet die Vorarlberger Jägerschaft zahlreiche Meldungen von Wildtieren, die mit dem Schnee zu kämpfen haben oder geborgen werden müssen. Zusätzlich ist die Fütterung von Reh- und Rotwild im Gebirge eine nicht ungefährliche Aufgabe.

Die Fortbewegung wird auch für die Wildtiere bei diesen Schneelagen schwierig. Zudem ist der Großteil der Nahrung für Wildtiere unter einer dicken Schneeschicht verborgen. Für die Freihaltung von Reh- und Rotwildfütterungen ist die Jägerschaft momentan intensiv im Einsatz – oft unter nicht ungefährlichen Bedingungen. Die Fütterungen für Reh- und Rotwild müssen täglich frisch aufgefüllt werden. In manchen Gebieten ist dies nur noch mit Schneeschuhen oder Schier möglich. Andere Jäger bleiben mehrere Tage auf Hütten in der Nähe zur Betreuung der Fütterung, da die An- und Abfahrt in das Tal aufgrund der Lawinensituation zu gefährlich wäre.

Drastische Lage für Wildtiere

Diese Schneemassen stellen Wildtiere vor eine große Herausforderung. Eine Gams verbraucht beispielsweise auf der Flucht etwa 7-mal so viel Energie wie im Normalzustand, bei der Flucht durch brusthohen Schnee sogar 15-mal so viel. Längere oder häufigere Flucht einer Gams durch hohen Schnee kann gerade für junge oder schwächere Tiere den sicheren Tod bedeuten! Die Jägerschaft rechnet daher dieses Jahr wieder mit einer erhöhten Wintersterblichkeit, insbesondere bei Gämsen.

Rotwildfütterung, Walter Dich

Fütterung im Ausgleich zu Lebensraumverlust

Für Wildtiere ist daher momentan Ruhe am wichtigsten. Ein sicherer Hinweis auf einen wichtigen Wintereinstand des Wildes ist das gehäufte Vorkommen von Wildfährten im Schnee – Wildeinstände und Fütterungsbereiche sollten hier großräumig umgangen werden. In einer vom Menschen unberührten Naturlandschaft ziehen Rotwild und Rehwild in die Täler, um dort in nahrungsreichen Aulandschaften, vor hohen Schneemengen, geschützt zu überleben. Leider sind diese unberrührten Überwinterungsgebiete nicht mehr verfügbar, weil der Mensch diese besiedelt und verbaut hat, wie etwa im Rheintal. Das meiste Wild muss daher in entlegenen Bergwäldern – den letzten Rückzugsgebieten –zurückbleiben. Die Nahrungsverfügbarkeit ist dort im Vergleich zu Tallagen wesentlichen geringer. Um den Wildtieren das Überleben in diesen Lagen zu erleichtern, versorgt die Jägerschaft es mit artgerechtem Futter. Gleichzeitig werden so Schäden durch Verbeißen von Jungbäumen des „Wirtschaftswaldes“ und auch der Schutzwälder vermieden.

Wer auf ein Wildtier trifft, soll es nicht erschrecken, darauf zugehen oder verscheuchen, sondern stehen bleiben und ruhig warten, bis es abgezogen ist. Auch Wildtiere versuchen momentan möglichst einfach sich Wege zu bahnen und sind eventuell häufiger auf Forstwegen oder -straßen anzutreffen. Bitte auch hier um Rücksicht!

Bei Sperrungen gibt die Jägerschaft gerne Auskunft zu naturverträglichen Alternativrouten. Jeder Jäger freut sich über Interesse an rücksichtsvoller Tourenplanung.

Folgende Hinweise sind momentan dringend zu berücksichtigen:

• Was gilt es zu beachten, wenn man eingeschneite oder verletzte Tiere findet?

Die Anwesenheit von Menschen stresst die Wildtiere zusätzlich, daher ist es am besten Spezialisten zu informieren. Am besten wird der nächste Jäger kontaktiert (z.B. über die Vorarlberger Jägerschaft), der Erfahrung im Umgang mit Wildtieren hat und die Situation einschätzen kann.

• Wie verhalten sich Wildtiere im Winter?

Die Nahrung ist knapp im Winter. Wenn kein Futter mehr zu finden ist, wie jetzt, ist die einzige Alternative sich so wenig wie möglich zu bewegen und Energie zu sparen. Daher wird spätestens im Januar der Stoffwechsel soweit als möglich heruntergefahren. Auch die Körpertemperatur wird abgesenkt, besonders in den Gliedmaßen. Allerdings gibt es ein großes Risiko bei dieser Taktik: In diesem Ruhezustand ist schnelles Bewegen nicht möglich. Taucht ein Feind auf oder fühlen sie sich von Menschen bedroht, müssen die Tiere den Stoffwechsel hochfahren und vor einer Flucht den ganzen Körper aufheizen, damit sie nicht zur leichten Beute werden. Dadurch ist der Energieverbrauch jedoch um ein Vielfaches höher, als im Ruhezustand. Die Gams verbraucht im Fluchtmodus etwa 7- mal so viel Energie. Jedes Aufschrecken führt somit zu einem gewaltigen Energieverbrauch und, im Wiederholungsfall, zu einer Schwächung, die die Tiere den Winter nicht überstehen lässt.

• Was sollten Spaziergänger jetzt berücksichtigen?

In den Bergwäldern befinden sich die Hauptrückzugsgebiete vieler Wildtiere. Auch die Fütterungen für Reh- und Rotwild. Diese Gebiete sollen momentan möglichst weiträumig umgangen und gemieden werden. Auch die Gefahr des Schneebruchs von Bäumen ist momentan nicht zu unterschätzen sowie die Lawinengefahr, weswegen die Vorarlberger Jägerschaft stark von Waldspaziergängen oder Geländeabfahrten abrät.

• Was sollten Wintersportler momentan beachten?

Auch der Jungwald ist durch unachtsames Skifahren und Skitouren durch den Wald gefährdet: Nicht nur durch die Beunruhigung des Wildes können Schäden am Wald verursacht werden, auch die scharfen Skikanten führen zu gravierenden Schäden an der Waldvegetation. Wild und Wald sind daher besonders auf die Rücksichtnahme von uns Menschen angewiesen. Verantwortungsvolle Sportausübung bedeutet daher Respekt vor der Natur und Rücksichtnahme auf Wildtiere. Daher bitten wir alle Naturnutzer auf den ausgeschrieben Wegen und Routen zu bleiben und alle Sperren dringend zu berücksichtigen.

Hier muss der langjährigen Forderung der Jägerschaft nach Wildruhegebieten Nachdruck verliehen werden. Durch den Lebensraumverlust der letzten Jahrzehnte ist das Wild massiv unter Druck geraten. Wir müssen endlich Ruhegebiete für das Bergwild schaffen und sichere Rückzugsgebiete, ganz ohne Störungen durch den Menschen, freigeben.

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