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Waldökologische Exkursion „Bürser Schlucht“

Waldexkursion Jungjaeger 2017

Autorin: Dr. Marion Eckert-Krause

Bei strahlendem „Winterwetter“ Ende April 2017 versammelten sich JungjägerInnen des Jahrgangs 2016/2017 am Treffpunkt „Bürser Schlucht“, um Waldökologie vor Ort zu erleben. Referent Raimund Rauch, Jagdschutzorgan und Waldaufseher mit langjähriger Erfahrung in Wald und Forst „prüfte“ die JungjägerInnen auf Herz und Nieren, ob von der vorab vermittelten Theorie Wissen hängengeblieben war, frischte auf und verdeutlichte anhand der Praxis, was hinter so manchem Paragraphen aus Jagd-, Forst- und GNL (Gesetz für Natur und Landschaftsentwicklung) steckt.

Schon der Treffpunkt bot die Möglichkeit die Naturdenkmäler in Vorarlberg zu rekapitulieren und den Bogen zu den einzelnen Bezirken mit den entsprechend ausgezeichneten Bäumen und Geotopen zu spannen.

Frühwarn- und Anzeigersystem – Bioindikatoren

Neben den Habitatfaktoren Klima und Geländeform wurden Bio-Indikatoren thematisiert. Das ist Vegetation, die das ökologische Gleichgewicht anzeigt, frühzeitige Reaktion zur Vermeidung von Schäden ermöglichen hilft, negative und positive Umweltveränderungen verdeutlicht und Hinweise auf die Bodenpufferkapazität gibt. So stehen Waldmeister, Bingelkraut, Sauerklee, Sanikel, Brombeere, Pestwurz für humusreichen Waldboden, während Erika-Gewächse, Preisel- und Heidelbeere klare Indikatoren für saure Böden sind.

Strauch und Staude – Wald ist nicht nur eine Ansammlung von Bäumen

Bäume, Sträucher, Stauden – Natur hat Vielfalt zu bieten und auch einiges, das definiert werden muss. Ein Baum ist eine ausdauernde, verholzende Samenpflanze, ein Strauch eine ausdauernde Gehölzpflanze und eine Staude eine mehrjährige, ausdauernde krautige Pflanze.

Nach dem Österreichischen Forstgesetz ist Wald eine bestockte Fläche von mindestens tausend Quadratmetern und einer Mindestbreite von 10 Metern. Seine Hauptfunktionen sind: Schutz-, Nutz-, Erholungs- und Wohlfahrtsfunktion (z.B. Luft, Wasser, Sauerstoff etc.).

Waldökologie stellt die Beziehungen von Waldbäumen zu ihrer Umwelt, zu einander und zu anderen Pflanzen und Tieren dar. Der Mensch im Wirkungsgefüge nimmt einen großen Teil ein. Er nutzt den Wald als Rohstoff- und Brennholzlieferant, sammelt, erholt sich, sportelt und betreibt Jagd. Er zerschneidet Landschaft durch Wege, Pisten, Seilbahntrassen, baut Hochsitze und zäunt Gebiete ein. Auch Bäume und Pflanzen siedelt er an, die z.T. ungünstige Auswirkungen auf Stoffkreislauf und Energieflüsse haben (z. B. die zitronenduftige Douglasie als Lärchenersatz). Per Bescheid gibt es die Möglichkeit Wald in Bann zu legen, zudem kann gezielt gegen Wild- und Jagdschäden vorgegangen werden.

Wild- und Jagdschäden

Zu den waldgefährdenden Wildschäden zählen das Schälen (Hase, Hirsch, Gams), Verfegen und Schlagen (Geweihträger, Stein- und Gamswild) sowie der Verbiss von Bäumen, Keimlingen und Feldfrüchten (Bewuchs) und Trittschäden wohingegen Jagdschäden auf die Kappe von Pächtern, Gehilfen, Fahrzeugen und Hunden usw. gehen.

Bei der Schälung wurde erläutert, müsse man zwischen Winter- und Sommerschälung unterscheiden. Letztere sei die schlimmere Art, weil im Sommer die Bäume voll im Saft stehen und große Schäden entstehen. Was passiert mit schälendem Wild auf frischer Tat ertappt? Abschuss! Das ertönte einstimmig und entspricht genau so dem Jagdgesetz. Das Stück muss vorgelegt werden – mit Pansen!

Wenn man über Schäden spricht, dann auch über Vermeidung. Ein angepasster Wildbestand dient dem Schutz des Lebensraumes und wird heutzutage mittels Abschussplan, Fütterung, Rotwildräumen, Ruhezonen, Zäunen, Verbissschutzmitteln und -gehölzen (Prossholz) sowie Anlage von Wildäckern erreicht.

Pioniere und Hiebsformen

Wo Wald bewirtschaftet wird und sich entwickeln soll, muss gemanaged werden. Bei der Begehung wurde der Erstbewuchs mit sogenannten Pionierpflanzen: Birke, Erle, Föhre, Lärche identifiziert, als auch Hiebsformen besprochen, wie Kahlschlag (großflächiger Eingriff), Schirmschlag (Samenbaum bleibt bis zuletzt stehen), Femelschlag (auslichten mit Verjüngungskegel) Plenterschlag (Einzelbaumentnahme, sodass alle Altersklassen auf einer Fläche vorhanden sind) und Saumschlag (zirka 30 m Streifen, abgestuft). In dem Abschnitt, in dem die Teilnehmer standen, wurde mit diesem Wissen festgestellt, dass nur zwei Altersklassen vorherrschen. Ziel-, Halbschatt-, Lichtbaum, Mischwald, Waldkategorien wie Fichten-Tannen-Buchenwald, Naturverjüngung und Keimlingsbeispiele – soweit nicht erfroren oder unterm Schnee vergraben, verbildlichten das gesprochene Wort.

„Dem Äser entwachsen“

Keine oder fast keine Gefahr für den Jungbewuchs besteht, wenn das Wild nicht mehr an die Leckerbissen (Knospen, Triebe) dran kommt, sozusagen „dem Äser entwachsen“ ist, lachte Raimund. Allerdings müsse man aufpassen, da sich durch Schneedecke und Schneeschmelze sehr schnell Fehleinschätzungen ergeben könnten.

Zwischendrin streute Raimund immer mal wieder Fragen zu den Pflanzen und Sträuchern am Weg ein. Roter und Schwarzer Holunder – wie zu unterscheiden? Sind Dornen Stacheln oder etwas völlig verschiedenes, dass die Eibe zweihäusig ist, wie Ulmen- von Haselnussblatt abgegrenzt werden kann, wie ein Weißtannenkeimling aussieht und dass der Winkel der Flugfrüchte von Feld- und Bergahorn zur Bestimmung entscheidend ist.

„Wildverbisskontrollzaun“: Wildschadenkontrolle an Standorten mit Naturverjüngungspotenzial

Das Wildschadenkontrollzaunsystem gemäß § 37 der Vorarlberger Jagdverordnung umfasst eine sechs mal sechs Meter schalenwilddicht eingezäunte und eine uneingezäunte Vergleichsfläche. Pro angefangene 50 ha Waldfläche und Jagdrevier muss ein Zaun errichtet werden, das sind, z.B. bei 320 ha Wald sieben Zäune wurde schnell errechnet. Es werden die sechs höchsten Zielbaumarten begutachtet, alle drei Jahre erfolgen Kontrollen durch Waldaufseher, Behörde, Jagdschutzorgan und Jagdnutzungsberechtigtem. Bei Mehrfachverbiss sind 50% der Kosten von Pächter und Verpächter zu tragen. Fixer Schwenk zum GNL und den Uferschutzbestimmungen, die sich nicht auf Nutzung beziehen, d.h. also sehr wohl gemäht und geholzt, jedoch nicht gerodet oder bebaut werden dürfen.

Mit Vogelschutzrichtlinie und Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) sowie Hinweise auf die Natura 2000 Gebiete, bewilligungspflichtige Vorhaben, die Liste der geschützten Pflanzen und Tiere wurde die letzte Exkursion im Rahmen der Jägerausbildung beendet. Schön wars!

Weidmannsdank an Raimund Rauch für den Praxisteil und Andreas Scherer, für die theoretische Vorbereitung.

 

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