•  
  •  

Jagdkultur Heute

Seit es Menschen gibt, jagen sie – aus Freude am Jagen und um Beute zu machen. Wir jagen aber auch, weil wir gerne in der Natur sind und mit der Natur leben, weil wir uns für die Natur und die Wildtiere einsetzen wollen. Wir suchen gerne den Kontakt mit Gleichgesinnten und pflegen jagdliches Brauchtum: Musik, Wildküche, den Umgang mit Hunden.

Jagd ist aber gleichzeitig auch ein gesetzlicher Auftrag.

Mit der Jagd werden Wildbestände reguliert, ohne sie zu gefährden. Zudem schützen und fördern Jäger bedrohte Wildtiere, durch Lebensraumerhaltung und –verbesserung. Die Jagd versucht ein gehäuft auftretendes Sterben von Wildtieren zu verhindern (z.B. im Winter durch die Fütterung).

Die Jagd

Die Jagd in Historischer Zeit

Anne Boleyn und Henry VIII. bei der Hirschjagd

Quelle: wikipedia.org

Wie schon in der alten chinesischen Kultur wurde die Jagd in den frühen Hochkulturen des Nahen Ostens und Ägyptens zum Privileg der herrschenden Schichten, während die griechische und römische Antike die Jagdausübung liberalisierte: jedermann durfte jagen.

Mit der fortschreitenden Kultivierung der Jagdkunst und mit der ersten grundlegenden Literatur über die Jagd wurde in der Antike der Boden für die Jagd im Mittelalter bereitet, in der sie sich zu einem wichtigen Faktor der Feudalgesellschaft entwickelte.

Seit dem 7. Jahrhundert wird in weiten Teilen Europas die Privilegierung der Jagd eingeführt, sie wird damit endgültig zum nicht mehr lebensnotwendigen Weidwerk und zu einer streng geregelten Tätigkeit einer adeligen Oberschicht, die sich bis in die Neuzeit die Jagdhoheit in umfassender Weise zu sichern vermag und das Jagen ins Ungemessene, bis hin zur Ausrottung ganzer Tiergattungen, steigerte.

Zuerst nach 1789 in Frankreich und nach 1848 in weiten Teilen Europas werden die jagdlichen Hoheitsrechte aufgehoben und die Perversionen der adeligen Massenjagd eingestellt.

Es wird seither der bis heute erfolgreiche Versuch unternommen, die Jagdausübung in die entstehenden demokratischen Gesellschaften der Moderne einzubauen.

Der Jäger als Nutznießer der Natur bringt seine „Ernte“ ein

Es gilt Dank zu sagen. Nach genauen Vorschriften und altem Brauch.

Das erlegte Wild wird auf die rechte Körperseite gelegt. Gereiht wird nach Stärke und Wertschätzung: Männlich vor weiblich, Hochwild vor Niederwild, Haarwild vor Federwild.

Im Lichtschein der Fackeln und brennender Holzstöße erklingen Totensignale der Jagdhörner. Die Strecke wird verblasen.

Als der Jäger im Tier noch einen nahen Verwandten sah, luder durch dessen Tötung schwere Schuld auf sich. Mit entblößtem Haupt hielt er Totenwache am erlegten Wild, um sich von seiner Blutschuld zu reinigen und die Dämonen zu besänftigen. Zum Zeichen der Versöhnung steckte er ihm den „letzten Bissen“ als Wegzehrung in den Äser.

Da das getötete Tier von Dämonen, die seinen Tod rächen wollten, umgeben war, durfte der Jäger ihm nicht zu nahe kommen. Auch heute noch ist es verpönt, über die Strecke bzw. über das erlegte Stück zu steigen.

Falknerei / Beizjagd

Falknerei / Beizjagd

Die Falknerei, eine soziale Tradition und Jagdkunst, wird seit mehr als 200 Generationen fast ununterbrochen, meist innerhalb der Familie, mündlich weitergegeben. Sie stammt ursprünglich aus den zentralasiatischen Steppen und hat sich in den verschiedensten kulturellen Ausprägungen über den gesamten asiatischen, arabischen, nordafrikanischen und europäischen Raum ausgebreitet. Im deutschen Sprachraum und vor allem in Österreich ist die Falknerei seit Jahrhunderten ein integraler Bestandteil der Kultur.

Die österreichische Falknerei wurde am 5. Dezember 2012 vom Zwischenstaatlichen Komitee des UNESCO Überein- kommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes im Rahmen seiner 7. Tagung in Paris durch die internationale Staatengemeinschaft einstimmig auf die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit gesetzt. Mit der Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes macht die UNESCO darauf aufmerksam, dass kulturelle Traditionen weltweit Pflege und Schutz brauchen, damit sie bewahrt und an zukünftige Generationen weitergegeben werden können und somit lebendig bleiben. Erst dann können Traditionen ihre ide titätsbildende und sinnstiftende Funktion in der Gesellschaft erfüllen.

Die ursprüngliche Forderung zur Anerkennung dieser über 4000 Jahre alten Jagdkunst als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit stammt übrigens aus Österreich und wurde durch die CIC Jagdhistorikerin Prof. Monika Reiterer aus Graz erstmals in den späten 90er Jahren erhoben und veröffentlicht.

Landesgruppenleiter: Marcel Nicht

2013 bestellte Vorarlberg sowie der Österreichische Falknerbund den engagierten und sehr aktiven Falkner Marcel Nicht zum neuen Landesgruppenleiter für Vorarlberg. Mit der Wahl von Marcel Nicht besteht Hoffnung, im „Ländle“ eine neue Ära einzuleiten. Regelmäßige Treffen aller Falkner, Ermöglichung von gemeinsamen Beizjagden, eine starke Vertretung gegenüber den Behörden als auch der Vorarlberger Jägerschaft und Öffentlichkeitsarbeit für das UNESCO Kulturerbe Falknerei stehen auf seinem Programm.

Trophäen

Hegeschau Feldkirch 2012_Trophäenbesichtigung

Trophäen – Krucken, Grandeln, Bärte und allerlei

Geweihe, Krucken, Haare, ganze Häupter, Füße, einzelne Knochenstücke, Zähne, das ganze Tier, das Fell, die Haut, Federn, kleine Pfoten – der Jäger nimmt sie als „Erinnerungsstück“ an sein Jagderlebnis mit nach Hause.
Nur die Augen (Lichter) nicht. An der Trophäe werden sie ersetzt – durch Glas oder Kunststoff.

Übersetzt heißt Trophäe „Siegeszeichen“. Das Tier braucht sie meist als Waffe gegen einen Nebenbuhler oder zur Abwehr eines Angreifers. Der Mensch stellte daraus Werkzeuge und Schmuckstücke her, beschwor durch sie die Kräfte der Natur, opferte sie den Göttern, verehrte sie selbst als göttliches Zeichen, nagelte sie an die Wand.

Der Wert einer Trophäe ist messbar. Gramme und Zentimeter bestimmen die Punktezahl. Seit 1892 gibt es auf internationaler Ebene eine Weltrangliste für viele jagdbare Tiere mit vermessbaren Trophäen.

Der Wert einer Trophäe für den Jäger ist subjektiv. Ist sie Ausdruck von Tapferkeit, Männlichkeit, Geschicklichkeit oder aber Erinnerung – wer weiß?

Auf den Hegeschauen, am Ende der Jagdsaison, wird Bilanz gezogen. Die „Ernte“ ist eingebracht, jägerisches Können unter Beweis gestellt und, so will es das Gesetz, die Einhaltung der Abschusspläne kontrolliert.

Wildeinfluss

Wildeinfluss

In den österreichischen Jagdgesetzen und auch im Forstgesetz wird die Vermeidung untragbarer Wildschäden am forstlichen Bewuchs gefordert.

Wildverbiß ist eine natürliche Begleiterscheinung der Waldentwicklung. Große Pflanzenfresser, wie die Schalenwildarten Rot-, Reh- und Gamswild, können dadurch zu landschaftsprägenden Gliedern des Ökosystems werden.

Arten von Wildschäden

  • Sommerverbiss (Laubhölzer werden während des ganzen Vegetationszeitraumes verbissen)
  • Winterverbiss (häufigste Schadensursache – Waldbäume dienen als Äsung – deshalb Winterfütterung)
  • Seitentriebverbiss
  • Leittriebverbiss (Terminaltriebverbiss)
  • Keimlingsverbiss
  • Fegeschäden / Schlagschäden (Wild endfernt den Bast vom Geweih)
  • Schälschäden (Rinde wird abgezogen)

Der Jungwuchs des Waldes ist von Natur aus ein wesentlicher Bestandteil der Nahrungsbasis dieser Tierarten. Seit Urzeiten haben sich Wild und Wald als zwei Bestandteile desselben Ökosystems gemeinsam entwickelt und wechselseitig angepaßt.

Erst durch den Menschen wurden manche Wildarten nicht nur zur Gefahr für den Wald, sondern auch zu Konkurrenten des Menschen.

Dazu kommt seit einigen Jahrzehnten das Problem eines ungezügelten Tourismus. Hirsch, Reh und Gams sind zwar sehr anpassungsfähig und können auch in stark veränderten Lebensräumen – wenn auch oft nur noch kümmernd – überleben.

Will man die Wald-Wild-Situation nachhaltig verbessern, also gleichzeitig untragbare Wildschäden am Wald verhindern und dem Wild einen artgerechten, möglichst naturnahen Lebensraum erhalten, so gilt es erst einmal, das ökologische Fehlverhalten des Menschen als Ursache der aktuellen Probleme zu erkennen.

Denn verstärkte Wildschäden sind zunächst als Symptom für die durch den Menschen gestörten Wechselbeziehungen zwischen Wild und Umwelt aufzufassen, dessen Ursachen regional zu ergründen sind.

Forststrategie 2018

Forststrategie 2018 – Vorarlbergs Wald hat Zukunft

In Vorarlberg stehen trotz jahrhundertelanger Nutzung die naturbelassensten Wälder Österreichs.

Die Nutzung erfolgt durch bewusstes Vorwegnehmen von natürlichen Entwicklungen, wobei überwiegend mit Naturverjüngung gearbeitet wird.

Darüber hinaus erfüllt der Landesforstgarten in Rankweil sowie die Wildbach- und Lawinenverbauung mit der Bereitstellung von jährlich ca. 270.000 standortsgerechten Forstpflanzen für die Neu- und Wiederbewaldung von Schutz und Bannwäldern eine unverzichtbare Funktion.

Damit Vorarlbergs Wald den vielen Anforderungen, die an ihn gestellt werden, auch in Zukunft gerecht werden kann, wurde unter Federführung der Forstabteilung des Landes die Forststrategie 2018 erarbeitet.

Diese dokumentiert zum einen den Zustand sowie die verschiedenen natürlichen und wirtschaftlichen Funktionen des Waldes in Zahlen und Fakten, zum anderen nennt sie konkrete Ziele und Maßnahmen für die künftige Bewirtschaftung.

“Die Forststrategie 2018 dient uns als maßgebliche Grundlage für eine erfolgreiche Waldentwicklung in den nächsten zehn Jahren”, so Agrarlandesrat Erich Schwärzler.

Mehr Informationen zur Forststrategie 2010 finden Sie hier: Forststrategie 2018

Jagd und Sprache

Die Menschenwelt hat sich unzählige Begriffe und sprachliche Wendungen geschaffen, die auf die Jagd verweisen. Allerorts und täglich stößt man auf solche,  der Jagd verhafteten Sprachbilder: „Die Jagd hat sich in der Sprache eingenistet (K. P. Liessmann) und damit in allen menschlichen Lebensbereichen.

Wie bei der Jagdausübung selbst Menschenwelt und Wildnis zusammentreffen, so schwingt diese Verbindung zwischen Kultur und Natur auch in der Jagdmetaphorik mit.

Sie lässt uns der tiefen Verwurzelung der Jagdkultur in Geschichte und Gegenwart und des spannungsreichen Verhältnisses zwischen menschlicher und natürlicher Ordnung gewahr werden – und der Empfindung, dass jeder von uns auf Jäger ist, zwar kein weidgerechter, aber oftmals einer, der nach anderer Beute strebt: nach verlorenen Schätzen und wilden Abenteuern, nach Rekorden und Ruhmestaten, nach Geld und nach welchem Glück auch immer.