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Vorarlberger Jägerschaft lud zu Grundeigentümertag

22.03.2016

1. Vorarlberger Grundeigentümertag_Besucher

1. Vorarlberger Grundeigentümertag
Thema: “Das Jagdrecht” – Grundbesitz und Jagd.
Gemeinsame Verantwortung für die nachhaltige Nutzung unseres Lebensraumes.

Am 18. März lud die Vorarlberger Jägerschaft im Rahmen der 11. Oberländer Jägertage zum ersten Grundeigentümertag. “Wie schaffen wir es noch besser, die Verantwortung für eine nachhaltige Nutzung unseres Lebensraumes gemeinsam zu übernehmen. Die Betonung liegt hier auf „gemeinsam“, weil bei allen Einzelinteressen immer klar sein sollte, dass wir ein uns alle verbindendes Interesse haben, und das ist nun einmal die langfristige Erhaltung unseres Lebensraumes Vorarlberg” so Landesjägermeister Reinhard Metzler in seinen einleitenden Worten. Die Moderation erfolgte durch MMag. Dr. Peter Vogler, Pressesprecher der Vorarlberger Jägerschaft.

Einleitungsvortrag von LJM Reinhard Metzler

Eingangsstatements des Podiums

1. Vorarlberger Grundeigentümertag_Podium

Dr. Peter Vogler: Sehen Sie die Verantwortung eher bei der Jagd, eher beim Grundbesitz oder bei beiden?

Dr. Christine Miller, Wildbiologin, Projektleiterin und Geschäftsführerin des Büros für Wildbiologie Bayern: Wem gehört, was niemandem gehört. Diese Frage ist mehr als nur der Auftakt zu philosophischen Kamingesprächen. Sie treibt Wirtschaftwissenschaftler, Politiker, Naturschutz und mittlerweile auch Jäger seit Generationen um. Und eine letztgültige Antwort ist noch lange nicht in Sicht.
Im deutschsprachigen Kulturkreis sind Wildtiere herrenlos. Sie gehören ihr Leben lang niemandem. Damit sind sie die letzten Zeugen alter „Besitzrechte“. Denn Allgemeingüter, die niemandem bestimmten und deshalb allen gehören, waren in vielen Kulturkreisen verbreitet. Auch bei uns gab und gibt es noch Reste dieser Traditionen, wie Allmenden, Weide- oder alte Wasserrechte. Denn Wildtiere halten sich nicht an Besitzgrenzen und jeder Grundbesitzer hat das Recht auf seinem Grund Wild nachzustellen, es zu jagen – aber auch es in seine Wirtschaftsziele einzufügen. Das kann bedeuten, dass Grundeigentümer Wild als Wirtschaftshindernisse sieht, der Nachbar aber als Haupteinkommensziele.
Seit Bindung des Jagdrechts an Grund und Boden in Deutschland und Österreich sind die Haltungen von Grundeigentümern zu „ihrem“ Wildbestand wahrscheinlich noch nie so weit auseinander gedriftet wie heute. Von Null-Toleranz gegenüber Wild als Bewirtschaftungshindernis und Trophäen-Zoo auf kleinstem Raum reicht die Spanne.

Dr. Peter Vogler: Lebensraum stärken / Lebensraummanager – können Sie damit was anfangen?

Martin Netzer, Bürgermeister Gaschurn, Obmann der Jagdgenossenschaft in Partenen: ich vertrete flächenmäßig den größten Grundbesitz im Montafon und als Vertreter des Stand Montafon den größten Forstbesitz des Landes. Bei uns sitzen alle an einem Tisch – Jäger, Hegeobmann und Grundstücksvertreter – alle sitzen an einem Tisch und es funktioniert bei uns gut. Bezüglich Lebensraummanager: Auf jeden Fall, denn wir haben im Natura 2000 Gebiet Verwall einen Manager, welcher solche Funktionen auch mit übernimmt

Dr. Peter Vogler: Konfliktfelder zwischen Menschen, aber auch zwischen Forst und Jagd – steht das nicht manchmal den gemeinsamen Lösungsansätzen im Weg?

DI Siegi Tschann, Landesforstdirektor: Natürlich, das liegt in der Natur der Sache, dass diese Konfliktfelder von verschiedenen Gruppen / Interessenvertretungen verschieden gesehen werden – der eine, der Holz produzieren möchte, hat eine andere Sicht als ein Jagdpächter, aber es gibt auch andere Geschichten – was ist eine ausgewogene Inventarisierung einer Naturgegend – es gibt sehr viele Standpunkte, die man zusammen bringen muss – das ist heute der erste Ansatz, ein richtiger und wichtiger Ansatz

Dr. Peter Vogler: Die Stadt Bludenz hat Eigenjagden und Genossenschaftsjagden – wenn da stark an die Eigentumsseite appelliert wird – der einzelne Grundbesitzer / Eigentümer hat es nicht so einfach, dies auch zu tun – ist es auch wirklich leistbar und machbar?

Ing. Reinhard Boso, Grundbesitzervertreter der Stadt Bludenz: Die Stadt Bludenz hat 3 Genossenschaftsjagden und 7 Eigenjagden zum verwalten – als Kommune hat sie den Beitrag geleistet, in einer Genossenschaftsjagd, welche selbst verwaltet wird, einen Jagdaufseher anzustellen – dies ist aber nur finanzierbar, wenn Geldgeber im Hintergrund sind – die Lohnkosten können nur über die Jagd nicht kostendeckend getragen werden

Dr. Peter Vogler: Stichwort Ranger – wie empfindest du die Rückmeldungen zu deiner Vision?

Reinhard Metzler, Landesjägermeister: Wir brauchen Profis draußen in unseren Lebensräumen – es geht ja nicht nur um das Wildtiermanagement alleine. Ich sehe, was draußen in der Natur abgeht – als Jagdpächter aber auch als Abschussnehmer – ich sehe, was da alles jahraus und jahrein richtig abgeht – es sieht sich niemand verantwortlich, dass diesen Menschen Grenzen aufgezeigt werden – Grenzen, die wenn sie mehrmals überschritten werden, auch von jemandem geahndet werden müssen – diese Ahndung sehe ich als wichtiges Instrumentarium, aber nicht, dass diese unseren Jagdschutzorganen konkurrieren – aber diese Leute können mit dem Lebensraummanager zusammen arbeiten und den Lebensraum bewahren – und so vielleicht auch wieder Wildtiere sichtbar machen – dies ist das Recht der Bevölkerung, auch der nicht jagenden, dass sie einen Gams, einen Hirsch aber auch nichtjagdbare Wildarten draußen in ihrem Lebensraum sehen.

Dr. Peter Vogler: Sie haben jahrzehntelange Erfahrung – wo sehen Sie die erlebbare und machbare Verantwortung zwischen Eigentum und Jagd?

Hans Metzler, Bezirksjägermeister Bregenz, Pächter: Eine freihändige Vergabe von 80% der Reviere zeigt auf, dass man schon gemeinsam am Tisch sitzt – aber es ist auch immer eine finanzielle Frage: Der Jäger ist ein verlässlicher Partner von der Alpe, aber auch vom Grundbesitz. Die Jagdherren, wie man sie so anspricht, sind da, wenn die Jagd am schönsten ist und wenn die Jagd ihre Reize bietet – sie sind da für die finanziellen Belange. Aber unsere vielen Helfer, die Jagdschutzorgane, die vielen anderen Helfer – das soll man volkswirtschaftlich herausstreichen, das sind Tausende Stunden, die bereitgestellt werden

Dr. Peter Vogler: Sie haben im Alltag am meisten mit diesen Feldern und Interessen zu tun – wie würden Sie dieses Spannungsfeld zwischen Grundbesitz und Jagd auflösen oder läuft eh alles gut aus ihrer Sicht?

Edwin Kaufmann, Jagdschutzorgan, Hegeobmann Großes Walsertal: Die Hegegemeinschaft 1.1 Großes Walsertal hat 59 Reviere, 33 davon Eigenjagden – hier sind völlig andere Zielsetzungen vorhanden – ich möchte hier einen Konsens finden, dass wir einigermaßen in die gleiche Richtung kommen. Wir haben immer wieder versucht, das Gespräch mit dem Grundbesitzer zu finden – denn ohne dies geht es nicht! In den letzten zwei Jahren wird aber immer versucht, Dinge schlecht zu reden – auch wenn sich in den letzten Jahren viel getan hat – das ist zermürbend, wenn immer wieder Unkenrufe von der Seite kommen, das ist nicht gut und das auch nicht – anstelle dass man sagt, dass schon einiges erreicht wurde und diskutiert wird, wie andere Dinge auch noch erreicht werden können.

In seinen Schlussworten richtete Landesjägermeister Reinhard Metzler seine Worte an die Besucher: “Dankeschön für die zahlreichen Besucher, dass ihr den Weg zu uns gefunden habt. Den Dank richte ich aber auch an die Grundbesitzer – dass wir sachlich und auf Augenhöhe miteinander diskutieren können. Ich nehme viele Anregungen mit – danke! Wir werden uns in ein paar Jahren daran erinnern – vieles, was uns jetzt trennt und schmerzt wird dazu führen, dass wir eine Richtung eingeschlagen haben – und wir werden zurückdenken, dass wir viel Qualität geschaffen haben.”

Die Veranstaltung war nicht nur sehr gut von Jägerinnen und Jägern besucht, sondern vor allem auch von Grundbesitzern und Grundbesitzervertretern aus dem ganzen Land sowie von Landesrat Schwärzler, Landesrat Rauch, dem designierten Landesforstdirektor Amann, dem Obmann des Waldvereins Amann, Landeswildbiologe Schatz, Bezirkshauptmann Nöbl und vielen mehr.

Eine ausführliche Berichterstattung erfolgt in der kommenden Ausgabe der Vorarlberger Jagdzeitung, Erscheinungstermin Ende April.

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