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Naturschutz-Leistungen im öffentlichen landeskulturellen Interesse

Jagdaufseher bilden mit ihrer Arbeit die Grundlage für die Existenz unserer artenreichen heimischen Tier- und Pflanzenwelt. Ohne die Tätigkeit der Jagdschutzorgane wären viele heimische Wildtierarten und seltene Pflanzen vom Aussterben bedroht.
Die Überwachung der naturschutzrechtlichen Vorschriften zählt für die Jagdschutzorgane seit jeher zu den Aufgaben, die sie im Rahmen ihrer täglichen Reviergänge ausüben.

Erhaltung und Verbesserung der Wildlebensräume

Die Erhaltung und Verbesserung der Wildlebensräume unter besonderer Berücksichtigung der Wildschadensverhütung ist eine der Hauptaufgaben des Jagdschutzorganes. Wildäsungsverbesserung wird durch Anlage und Pflege von Wildwiesen herbeigeführt. Ein gemeinsames Zusammenwirken zwischen den Verantwortlichen der Jagd, des Forstes und der Landwirtschaft ist dabei von unbedingter Notwendigkeit.

Wildschadensverhütung

Durch mechanische und chemische Schutzmaßnahmen (Spritzen der Jungbäume mit Verbissschutzmittel, etc.) erfolgt die Vermeidung von Wildschäden.

Das Jagdschutzorgan im Dienste des Naturschutzes

In Vorarlberg hat der Naturschutz eine lange Tradition. Schon viele Jahre bevor Österreich der Europäischen Union beigetreten ist, wurden in unserem Land besonders erhaltenswürdige Biotope per Verordnung zu Natur- oder Landschaftsschutzgebieten erklärt. Darüber hinaus wird dem allgemeinen Naturschutz durch das Vorarlberger Naturschutzgesetz seit Jahrzehnten Rechnung getragen. Demnach ist auch das Jagdschutzorgan verpflichtet, in seinem Aufsichtsgebiet die Vorgaben des Gesetzes über Naturschutz und Landschaftsentwicklung umzusetzen und das Revier ständig zu überwachen.

Natura 2000

Seit der Mitgliedschaft Österreichs bei der Europäischen Union sind der Naturschutz und somit auch die Aufgaben des Jagdschutzorgans um zwei Facetten reicher geworden: Die Vogelschutzrichtlinie und Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Richtlinie sind von jedem Mitgliedsstaat verpflichtend umzusetzen und Natura 2000 Gebiete zu deklarieren. Mit Hilfe der Natura 2000 Gebiete wurde ein europäisches Schutzgebietssystem geschaffen, welches der Erhaltung der biologischen Vielfalt in Europa dienen soll. Während die Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Richtlinie primär den Schutz von Lebensräumen zum Ziel hat, spezialisiert sich die Vogelschutzrichtlinie auf den Erhalt von wild lebenden Vogelarten. Vorarlberg hat 22 Gebiete mit einer Gesamtfläche von rund 21.000 ha als Natura 2000 Gebiete ausgewiesen. Dabei wurden einzigartige, landestypische Lebensräume der alpinen Region, wie Hochmoorflächen, Spirkenwälder oder Pfeifengraswiesen nominiert. Zum besonderen Schutz von seltenen Vogelarten wurden beispielsweise das Lauteracher Ried (580 ha), die Klostertaler Bergwälder (2.150 ha) und der Verwall (12.000 ha) als Natura 2000 Gebiete ausgewiesen.

Mitreden und Mitgestalten

Neben den eigens von der Vorarlberger Landesregierung ernannten Gebietsbetreuern, wirken auch die Jagdschutzorgane bei der Umsetzung der Europäischen Naturschutzrichtlinien (FFH- und Vogelschutzrichtlinie) aktiv mit. So sind beispielsweise für die Erstellung von Managementplänen die genauen Kenntnisse der Jagdaufseher über das Vorkommen und die räumliche Verteilung von Wildtieren sowie über bedeutende Einstandsgebiete in den Natura 2000 Gebieten besonders wichtig. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, Wild und Jagd in den Europäischen Schutzgebieten aktiv zu integrieren und gebietskonforme Nutzungspläne zu erstellen. Daneben wirken die Jagdschutzorgane aber auch bei der Überwachung von Schutzgebieten als auch bei der Vollziehung des landesweit geltenden Naturschutzgesetzes mit. Festgestellte Übertretungen nach diesem Gesetz sind vom Jagdschutzorgan unverzüglich der Behörde zu melden

Naturschutzgebiet Faludriga-Nova

Ein besonders plakatives Beispiel von Jagdschutzdienst und Naturschutz stellt die Alpe Faludriga-Nova im Biosphärenpark Großes Walsertal dar. Dieses zirka 1.000 ha große Alpgebiet wurde von der Vorarlberger Landesregierung zur langfristigen Erhaltung von Wildtieren und Pflanzen unter Schutz gestellt. In diesem Schutzgebiet soll vor allem heimisches Großwild, wie Rothirsch, Gams und Rauhfußhühner einen weitgehend störungsarmen Lebensraum vorfinden. Gleichzeitig soll die extensive Alpwirtschaft als positiver Landschaftsgestalter und Biotoperhalter erhalten bleiben. In diesem Gebiet ist es gelungen diese umfangreichen Anforderungen durch einen entsprechenden Nutzungsplan, welcher auch die Jagdwirtschaft integriert, sicherzustellen. Der Erfolg des mittlerweile acht Jahre alten Schutzgebietes ist primär in der Personalunion des Gebietsbetreuers zu sehen. Dieser ist sowohl als Berufsjäger als auch als Alpbewirtschafter im Naturschutzgebiet tätig und überwacht gleichzeitig die rechtlichen Vorgaben der speziellen Naturschutzverordnung. Des Weiteren ist er für die Information und Aufklärung der Besucher vor Ort zuständig. Die berufsbedingte häufige Anwesenheit des Jagdschutzorgans im Revier garantiert eine intensive Überwachung des Naturschutzgebietes. Gleichzeitig können allfällige Konflikte mit Jagd, Tourismus oder Alpwirtschaft frühzeitig vermieden bzw geregelt werden.

Schutz durch nachhaltige Nutzung

Das Beispiel Faludriga-Nova zeigt, wie wichtig das Miteinander bzw das gemeinsame Vorgehen von Jagd und Naturschutz ist. Der Verband Vorarlberger Jagdschutzorgane unterstützt die gesetzliche Mitwirkung des Jagdaufsehers beim Vollzug des Naturschutzes, weil ihm eine intakte, vielseitige Natur ein vordergründiges Anliegen ist. Voraussetzung dafür ist aber ein Naturschutzgedanke, der sämtliche Tiere und Pflanzen eines Naturraumes als Einheit sieht, und der trotz Schutzziele eine nachhaltige Nutzung von Landschaft und Wildtieren nicht von vornherein ausschließt. Manchmal stellt eine speziell abgestimmte Bewirtschaftung sogar die Voraussetzung für das definierte Schutzziel dar, was am Beispiel der einmal jährlichen Nutzung von Magerwiesen besonders gut demonstriert werden kann. Einige dieser räumlich oft abgelegenen Flächen würden schon lange nicht mehr existieren, würden sie nicht von den Jagdaufsehern zur Gewinnung von Wildheu konsequent bewirtschaftet. Profitieren tun davon nicht nur das Wild und die Jagd, sondern auch der Natur- und Landschaftsschutz. Der Verband Vorarlberger Jagdschutzorgane bekennt sich zum aktiven Naturschutz unter dem Motto: “Schützen durch nachhaltiges Nutzen”.