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Tuberkulose – Drei Wünsche des Landesjägermeisters

Sie gehen an alle Betroffenen von Jagd, Land- und Forstwirtschaft, Behörden und Politik und betreffen Verständnis, Ehrlichkeit und Fairness.

VERSTÄNDNIS

Der Verlauf der Tuberkulosekrankheit ist sehr eigenartig. Um die langfristigen Maßnahmen zu verstehen, braucht es Kenntnisse bezüglich Unterschied zwischen Wildtieren und Nutztieren, Infektiosität, Latenzphase, Reaktivierung usw.
Tuberkulose ist nicht Influenza (Grippe), die jedes Jahr im Jänner, Februar einen Gipfel hat und gleich wieder erlischt. Lesen Sie mehr darüber HIER.

Wir Jäger müssen lernen, dass die Reduktion überhöhter Bestände in unserem eigenen Interesse für gesundes Rotwild und intakte Jagdwirtschaft ist. Jeder weiß, dass sich relativ rasch wieder ein gesunder Bestand aufbaut.

EHRLICHKEIT

Wildbestände sind schwierig zu erheben, deshalb wurde nach einem Probelauf in St. Gallenkirch beim Jagdlichen Dialog der Begriff Wildstandserhebung statt Zählung empfohlen (mehrfache Zählungen, Futterverbrauch, Vorjahresvergleich etc.). Trotzdem bleibt eine Dunkelziffer. Ehrlichkeit gilt aber auch für unsere Partner bei Wildschadenserhebungen, Schadenersatz, Pachtverhandlungen.

FAIRNESS

Manches, was in dieser schwierigen Situation rechtens sein mag, kann trotzdem unfair sein. Beispiele:
Berufsjäger, die über Jahre hervorragende Arbeit zur Reduktion der Rotwildbestände leisten, sollten in allen Belangen unterstützt werden, nicht zusätzlich belastet.

Im Norden Vorarlbergs scheint man Tuberkulose als Druckmittel auf die Jäger zu nützen (z.B. Abschussplanverhandlungen), auch dort wo die Rotwildbestände nicht überhöht sind und durch die Nähe zum Allgäu immer wieder positive Fälle sein werden, eine Ausrottung unmöglich ist.
Die Liste könnte verlängert werden.

Dass jetzt weiterhin neue Fälle auftreten, liegt in der Natur der Sache und war vorhersehbar. Durch unsere flächendeckenden Stichprobenuntersuchungen über die vergangenen Jahre gelingt es uns jetzt immer besser, die Brennpunkte mit hoher lokaler Durchseuchung zu identifizieren. Dementsprechend werden die Maßnahmen zusehends treffsicherer, können graduell angepasst werden und werden dadurch viel wirksamer. Besondere Situationen brauchen kurzfristig außerordentliche Maßnahmen.

Unser Vorarlberger Programm gemeinsam mit Landesbehörden, Landwirtschaftskammer und Jägerschaft ist erfolgreich, derzeitige Vorwürfe des Versagens zeigen fehlendes Verständnis für den langfristigen und langwierigen Verlauf. Nur die Mitarbeit der Jäger bei der Probenlieferung hat es der Veterinärbehörde ermöglicht, immer bessere Erkenntnisse zu bekommen und in Zukunft noch präzisere Maßnahmen zu setzen. Um langfristig erfolgreich zu sein brauchen wir Beides, massives Handeln kleinräumig bei Kenntnis einer höhergradig durchseuchten Rotwildpopulation, gleichzeitig großräumig weitere Reduktion überhöhter Rotwildbestände, aber eben nur dort, und nicht quer durchs Land.

Mit Weidmannsgruß,

LJM Dr. Ernst Albrich

Originalbeitrag (Editorial Vorarlberger Jagdzeitung März-April 2014)

Ein Kommentar zu “Tuberkulose – Drei Wünsche des Landesjägermeisters

  1. Lieber Ernst,

    wie immer ein ausgezeichneter Beitrag von dir.
    Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie dieses Diskussionen ohne deine unermüdliche Arbeit im “Ländle” ablaufen würden.
    Ganz sicher hätte die Jagd sehr schlechte Karten und unsere Rotwildbestände müssten auf Druck vieler Interessen vernichtet werden. Viele wollen Zustände wie vor dem 20. Jahrhundert.

    Herzlichen Dank für deinen Einsatz.
    WH
    Karlheinz


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