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Treibjagd, Drückjagd, Gesellschaftsjagd – Angehende JungjägerInnen lernen Praxis

Bild 6_Treibjagd Dangstetten 2017

Autorin: Marion Eckert-Krause, angehende Jungjägerin

Vorarlberger JungjägerInnen des Jahrgangs 2016/2017 waren Anfang Januar 2017 zu Gast in Baden-Württemberg – eine Ehre und ein hoher Vertrauensbeweis in die Vorarlberger Jägerausbildung, denn für die meisten war es die erste Erfahrung in der Jagdpraxis.
Bei einer Treibjagd wirken Schützen, Treiber und Hunde zusammen. Drückjagd bedeutet, dass Schalenwild vorsichtig in Bewegung gebracht wird, ohne es in Flucht zu versetzen. Beide Formen gehören der Gesellschaftsjagd an. Gesellschaftsjagd hat nichts mit Belustigung und Zeitvertreib der „Gesellschaft“ zu tun. Es ist ein besonderes Ereignis und wird traditionell gefeiert. Soweit die Theorie.

Bild 1_Treibjagd Dangstetten 2017
Bild 1: Die Sonne kämpft sich bei frostigen Temperaturen durch den Hochnebel.
Dangstetten, 7. Januar 2017, 8:30 Uhr

8:30 Uhr, bewegtes Ankommen im deutschen Dangstetten. Es ist gefühlt sibirisch kalt, das Thermometer zeigt -11°C. 15 Vorarlberger JungjägerInnen des Jahrgangs 2016/2017 werden als TreiberInnen erste praktische Jagderfahrung in einem professionell organisierten Jagdumfeld sammeln. Alle sind pünktlich, alle entsprechend gekleidet und ausgerüstet und alle wissen nicht, was sie erwartet.

Perfektes Wetter gibt es nicht – perfektes Jagdwetter sehr wohl!

Es ist „saukalt“ und je länger wir warten, umso intensiver ist das zu spüren. Bevor wir nämlich in Bewegung versetzt werden, wird die Jagd brauchtumsmässig eröffnet. Jagdleiter und Bürgermeister begrüssen die klassisch aufgestellte Jagdgesellschaft: Bläser, Jagdleiter, Schützen, Treiber und Hunde, Die Jagd ist bis auf die Minute durchgeplant: Vom Einsatz der Treiber, über das Schnallen der Hunde und die Positionierung der Schützen auf ihren Ansitzen.

Bild 2_Treibjagd Dangstetten 2017
Bild 2: Personenkontrolle, Austeilen der Trillerpfeifen, um sich im Wald bemerkbar zu machen und dann warten, bis zum Abtransport.

Bild 3_Treibjagd Dangstetten 2017
Bild 3: Unsere Gruppe wartet auf den Unimog mit Markus Dathe, unserem „Cheftreiber“. Mittlerweile hat sich die Sonne ihren Weg gebahnt, viel wärmer ist es aber nicht geworden.

Bild 4_Treibjagd Dangstetten 2017
Bild 4: Gleich werden wir wie die Zacken in einem Kamm auf dem Hang verteilt stehen, um im wahrsten Sinne der Bedeutung, das Revierstück zu durchkämmen, Lärm zu machen und das Wild aufzuscheuchen, damit die Schützen es erlegen können.

„Mit dem ersten Frost und dem ersten Schnee ist das Wild auf den Läufen – so lange bis aus den ersten Flocken mehr wird. Liegt richtig Schnee zieht Wild in der Regel nicht mehr, sondern verharrt in Ruhe bei heruntergeschraubtem Stoffwechsel. Und es vernimmt ausgezeichnet, wenn etwas Schnee liegt“, dies erklärt uns unser Treiberbetreuer Markus Dathe bevor wir in Stellung gehen.

Hatten wir etwa über Kälte geklagt?

Nach dreieinhalb Stunden und ca. 7 km berghoch, quer zum Hang durch Brombeergestrüpp, Holzschlag, Unterholz, Senken – auch mit eisigem Wasser gefüllte!!!! Reh von rechts, Reh von hinten, einem Fuchs, aber leider keinem einzigen Wildschwein auf unserer Seite, ist die Jagd offiziell beendet und wir machen uns auf den Rückweg.

Es ist uns übrigens recht warm geworden und wir sind gehörig durchgepeitscht worden, nicht wenige Äste sind aufs Auge geklatscht, nicht wenige Waldrebenstränge haben uns in ihre Gewalt bekommen wollen, und ob die aufgeplusterten Rotkehlchen uns begleitet oder die Waldbewohner gewarnt haben – bleibt offen. Die Ausbeute war nicht überwältigend, aber auch nicht unbedeutend. Es sind einige Rehe, ist einiges an Sikawild und Schwarzwild erlegt worden. Der Jagdleiter wird später bestätigen, dass die Jagd sehr diszipliniert durchgeführt wurde. So ist kein Bock erlegt worden, der nicht freigegeben war. Bedeutet zwar auch – keinen Obulus in die Spendenkasse für den Kindergarten – aber zeigt, wie ethisch einwandfrei sich Schützen an die Vorgaben halten.

„Ihr wollt doch was lernen – oder?“

Wir Treiber hatten uns kaum zu Grillwurst, Steak und Glühwein niedergelassen, da rief man schon nach den JungjägerInnen aus Österreich. „Ihr wollt doch was lernen – oder?“ Klar, wollen wir!

Extra für uns war ein „Aufbruchseminar“ vorbereitet worden. Sika- und Wildschwein wurden uns erläutert, die Unterschiede des Innenlebens (Prüfungsrelevante Frage nach der Galle!) samt Trichinenprobenmaterialentnahme gezeigt.

Bild 5_Treibjagd Dangstetten 2017
Bild 5: Nach der Lerneinheit, die uns auch schriftlich auf einem Zertifikat bestätigt wurde, startete der gemütliche, gesellige Part am wärmenden Feuer und mittendrin Peter Breuss mit seiner mobilen Unterlage, für die er eigens Schneeketten angefertigt hatte.

Vor, der Übergabe der Brüche an die Schützen und dem Verblasen der Jagd, erhielten wir unseren „Jagdritterschlag“ durch den deutschen Jagdleiter Berthold Senf „Ihr seid gerne wiedergesehene Gäste!“ und er fügte an… „dann als Schützen“

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