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Rehe im Wald

Autor: Hubert Zeiler

Im Rahmen der 6. Oberländer Jägertage referiert Hubert Zeiler zum Thema “Rehwild besser verstehen – alte Weisheiten und neue Einsichten zu einer vermeintlich bekannten Wildart”

Seine Forschungen führten ihn in traditionsreiche Rehwildreviere, und sie förderten jede Menge Überraschungen zu Tage. Völlig neu ist zum Beispiel die Erkenntnis, dass sich Rehgeißen teils den Bock ganz bewusst aussuchen und für den Beschlag kurzzeitig Wanderungen über mehrere Kilometer unternehmen. Auch das Revierverhalten der Böcke muss man in einem ganz anderen Licht sehen, als man dies bislang getan hat. Darüber hinaus werden praxisnahe Fragen beantwortet, etwa welche Rolle der Rotfuchs für die Rehe spielt, welchen Einfluss der Lebensraum auf das Geschlechterverhältnis und die Überlebensrate hat oder wie sich die Wilddichte auf Körpergewicht und Zuwachsraten auswirkt. Insgesamt stehen bei diesem Buch nicht die Fütterung und die Trophäenhege im Vordergrund, sondern das Wechselspiel zwischen dem Lebensraum Wald und dem Randlinienbewohner Reh.

Fazit: Ein Buch, das manche alte Zöpfe kappt und einen frischen Zugang zu einem unserer beliebtesten Wildtiere ermöglicht. – Ein Muss für jeden Rehjäger!

304 Seiten, über 200 Farbbilder. Exklusiv in Leinen. Format 25 x 18 cm
ISBN: 978-3-85208-075-8.
Preis € 65.-, SFR 127.-
Österr. Jagd- und Fischerei-Verlag, 1080 Wien, Wickenburggasse 3, Tel. (01) 405 16 36/39
Email verlag@jagd.at, Internet: www.jagd.at

Buchauszug

„… „Jede Zeit hat ihre Fragen.“ Dies gilt auch für die Wildbiologie, und im Besonderen beim Rehwild, der häufigsten heimischen Schalenwildart. … Die Entwicklungsgeschichte des Rehes reicht Millionen Jahre zurück. Heute stehen uns modernste Techniken zur Verfügung, um Aufenthalt und Fortbewegung dieser Tiere zu verfolgen, sogar über Satelliten-Telemetrie aus dem Weltraum. Die Grundlage für das Verstehen und die Verbindung mit der Wildart bleibt dennoch das hautnahe Erleben und das Draußensein im Revier. Die Jagd, die ursprünglichste aller Landnutzungsformen, verbindet Verstehenlernen und Erleben ganz besonders intensiv. Gerade im Umgang mit dem Reh zeigt sich aber – vielleicht mehr als bei allen anderen Wildarten – auch der geistige Hintergrund: Auch an den Fragen, die man zum Thema Rotwild stellte…“

…Und die Geißen? Dass erwachsene Rehböcke im Sommerhalbjahr fixe Reviere verteidigen, steht außer Frage. Weit unklarer sind die Aussagen über das Verhalten der Geißen. Stöbert man in der Fachliteratur, dann kommt man leicht ins Wanken: Da ist die Rede von territorialen Geißen, von Ricken, die zwar standorttreu, aber nicht territorial sind, von Geißen, die während der Setzzeit unduldsam sind, und so weiter… Fundierte Aussagen dazu lassen sich nur mit Hilfe von markierten Tieren oder über die Telemetrie ableiten. Wir haben uns gewundert wenn an zwei aufeinander folgenden Tagen verschiedene Altgeißen auf genau demselben Wechsel dahergekommen sind – beide im Haarwechsel, beide hochbeschlagen. Ohne Marke hätte man sie nicht auseinander halten können. Aus eigenen Erfahrungen wie auch aus anderen Rehwildstudien würde ich ableiten, dass Rehgeißen flexibel in der Ortswahl sind. In der Regel steht dabei das beste Äsungsangebot zur jeweiligen Jahreszeit im Vordergrund. Dennoch gibt es auch bei Geißen eine starke Bindung zu ihrem Heimatstreifgebiet. Anders als bei den Böcken wird aber kein Revier verteidigt. Dennoch fällt auf, dass sie bei niedrigerer Wilddichte deutlich größere Gebiete durchstreifen. Dies tritt bei verschiedenen Untersuchungen ganz deutlich zu Tage. Dazu muss angemerkt werden, dass Geißen ihren Einstand niemals gleichmäßig nutzen, es gibt immer bevorzugte Ecken, die häufig aufgesucht werden, und dazwischen Flächen, die kaum beansprucht werden. Bei territorialen Böcken gibt uns die Satelliten-Telemetrie heute ganz neue Einblicke: Es zeigt sich sehr augenscheinlich, dass Böcke regelmäßig auf der gesamten Fläche ihres Territoriums auf Patrouille sind – besonders wenn das Revier nicht sehr groß ist.

Auch wenn die weiblichen Tiere keine Reviere verteidigen, ist es in dicht besetzten Gebieten für sie dennoch nicht möglich, dass sie sich ihren Einstand – vor allem aber Äsungsplätze – ganz unabhängig von Nachbarrehen auswählen, besonders, wenn das Nahrungsangebot knapp wird.

…Es tritt also auch die eine oder andere Reiberei zwischen den Geißen auf. Sicher haben schon viele Rehwildjäger einmal beobachtet, wie eine unleidliche Altgeiß andere Weibchen attackiert. Hier geht es aber nicht um direkte Angriffe oder exklusive Flächenansprüche, sondern um Dominanz und um die am Anfang erwähnte Individualdistanz im weiteren Sinne. Dominanzverhältnisse zwischen Rehgeißen treten an Winterfütterungen ganz klar zu Tage. Unduldsamkeit gegenüber anderen Rehgeißen könnte während der Setzzeit eine Rolle spielen – dies ist auch von anderen Schalenwildarten bekannt. …

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