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Pressegespräch “Gamswild”

Gamswild_Hubert Schatz

Am 22. November fand im Wildpark Feldkirch ein Pressegespräch der Vorarlberger Jägerschaft zum Thema “Gamswild”statt.
Hier der Pressetext:

Lebensraum für die Gams retten

Die Gams gilt als das Charaktertier der Alpen. In Vorarlberg besteht allerdings die Gefahr, dass man die Gams bald seltener sehen wird. Es wird für viele Wildarten immer schwieriger, sich in ihrem Lebensraum zu behaupten und zu überleben. Von dieser Entwicklung ist vor allem das Gamswild betroffen. Die Vorarlberger Jägerschaft will auf diese Problematik aufmerksam machen und Wege aufzeigen, um den Bestand von Gamswild in unseren Bergregionen nachhaltig zu sichern.

Stetiger Druck auf die Lebensräume
Zu Beginn der kommenden Wintersaison appelliert die Vorarlberger Jägerschaft, auf die Lebensräume der heimischen Wildtiere Rücksicht zu nehmen. Dabei sind besonders alle einheimischen Naturnutzer aufgefordert das immer weitere Vordringen in die Rückzugsräume der Wildtiere zu hinterfragen und den stetig steigenden Druck auf die Lebensräume zu reduzieren. Der sorgsame Umgang mit unserer wertvollen Natur wird auch von vielen Touristen geschätzt und respektiert werden. Alle Vorarlbergerinnen und Vorarlberger dienen hierbei als Vorbilder.

Durch Menschen verursachter Stress
Das Freizeitverhalten der Menschen im Gebirge hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Überlebenschance der Wildtiere im Winter. Wenn Gamswild, welches sich zu dieser Jahreszeit in einer Art „Energiesparmodus“ befindet, gestört wird und flüchten muss, entsteht Stress und das Wildtier braucht mehr Energie. Dies führt insbesondere bei älteren Gamsböcken zu einem gefährlichen Überlebenskampf, da sie durch die vorangegangene Brunft bereits stark geschwächt sind. Zudem werden die Gämsen durch diese Störungen aus geeigneten Lebensräumen verdrängt und müssen versuchen in schlecht geeigneten Waldgebieten zu überwintern.

Vorbild Schweiz: Maßnahmen zur Rettung der Gams sind möglich
Die Schweiz hatte das Problem, dass die Gamswildpopulation seit Jahren kontinuierlich abnahm. Das lag daran, dass die Abschusszahlen nicht den tatsächlichen Gegebenheiten angemessen waren. Auf Faktoren wie Klimaveränderung, natürlich Feinde wie Wolf und Luchs sowie einen steigenden Tourismus wurde zu wenig Rücksicht genommen. Um die Bestände langfristig zu sichern und den Abwärtstrend zu beenden, wurde im Dezember 2016 ein Positionspapier sowie eine Broschüre zum verantwortungsvollen Umgang mit Gämsen erarbeitet. Das Ziel: die Jagd auf die Gämse lokalen und aktuellen Gegebenheiten anpassen. Es muss darauf geachtet werden, welche Entnahmen des Bestandes erlaubt ist, um gesunde Bestände mit möglichst natürlichen Alters- und Sozialstruktur zu sichern.

Pressegespraech Gamswild Vonbank

Die richtige Familienstruktur ist entscheidend
Mehrere Faktoren sind für den Aufbau einer stabilen Familienstruktur, welche sich maßgeblich aus dem Altersklassenaufbau und der Sozialstruktur zusammensetzt, verantwortlich. So ist diese Familienstruktur beispielsweise durch die ständige Beunruhigung in den Wintermonaten bedroht da es vorallem bei den männlichen Stücken zu starken Verlusten kommt. Ein weiterer Faktor unter vielen ist die rigorose Umsetzung der geforderten Zwangsabschüsse in den Schutzwäldern, auch hier werden in erster Linie die „erkundungsfreudigen“ Gamsböcke erlegt. Das führt dazu, dass sich durch den Überhang an Geißen die Brunftzeit in die Länge zieht. Die später gezeugten Kitze haben im darauffolgenden Sommer daher weniger Zeit, sich auf den harten Winter vorzubereiten, ihre Sterbewahrscheinlichkeit steigt. Dadurch wird ein schwaches und instabiles Rudel herangezogen. Die Geißen wiederum versuchen, mehr weibliche Kitze zur Welt zu bringen, um so mögliche Verluste zu kompensieren.

Monitoring soll intakten Gamsbestand sichern
Abseits aller gegenseitigen Schuldzuweisungen gilt es den Umgang mit unseren Wildtieren und den vorhandenen Lebensräumen zu hinterfragen. Dazu wird es notwendig sein den Einfluss mehrerer Faktoren anhand guter Datengrundlagen zu analysieren um darauf aufbauend eine Basis für ein erfolgreiches Management zu schaffen. Dabei ist die Bereitschaft der Jäger mitzuhelfen wesentlich.
Hier wird die Wichtigkeit des entsprechenden Monitorings ersichtlich, erklärt Manfred Vonbank und nimmt die Behörde in die Pflicht. Ein gutes Beispiel bietet der Schweizer Kanton Graubünden. Dort erstellt die Behörde am Ende der Jagdsaison einen Abschlussbericht, welcher wiederum zur detaillierten Abschussplanung des nächsten Jahres herangezogen wird.
Um dem übergeordneten Ziel eines intakten Gamsbestandes nachkommen zu können ist es notwendig sich von der vorherrschenden Käseglockenpolitik und vorhandenen Einzelinteressen abzuwenden und stattdessen ein ganzheitliches Denken an den Tag zu legen.

Die Gams wird unseren Lebensraum mitgestalten, die Frage lautet jedoch: wie viel Spielraum wird ihr gegeben?

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