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Praxiseinheit Behandlung erlegten Wildes

08.12.2016

Autorin: Marion Eckert-Krause, angehende Jungjägerin

Der Jahrgang 2016/2017 der Vorarlberger Jägerschule wurde am 3. Dezember 2016 im Wildpark Feldkirch von den Referenten Gotthard Schwarz, Christian Ammann, Robert Ess und Hubert Loretter empfangen. Nach den ersten Theoriestunden im Hörsaal erweiterten knapp 100 angehende JungjägerInnen bei wunderbarem Winterwetter mit frostigen Temperaturen ihr jagdliches Wissen. Praxisbezogene Wissensvermittlung stand im Vordergrund und wir profitierten von den Jagdkenntnissen unserer Referenten. Gezielte Fragen bereiteten uns schon mal auf die im Mai 2017 anstehende Prüfung vor. Viel konnten wir beantworten, hatten aber auch einige Fragen.

Tradition, Wildbrethygiene, Trophäe und Bewusstsein

Die Behandlung erlegten Wildes setzt umfangreiches Fachwissen, handwerkliches Können und Respekt voraus. Es ist eine hohe Verantwortung, die der Jagende hat, wenn Tiere aus dem Rudel geschossen und lebensmittelrechtlich weiterverarbeitet werden.

Rotwild war für uns bereits erlegt und in Strecke gelegt. Die Bruchzeichen waren auf den Tieren platziert oder als letzter Bissen im Äser. Bereits an der Lage der Brüche lässt sich erkennen, ob es sich um weibliche oder männliche Stücke handelt. Kälber werden dabei wie weibliche Stücke behandelt. Auch dem Schützen gebührt ein Bruch, den dieser sich an den Hut steckt.

Jagd ist Tradition und folgt ethischen Grundsätzen. Wir erwiesen den Tieren eine Art letzte Ehre bevor sie schnellstmöglich den Anforderungen der Wildbrethygiene folgend aufgebrochen, untersucht und abtransportiert wurden. Vorher jedoch lernten wir die Tiere anzusprechen. Wir erfuhren, wie schwierig es ist, auf Entfernung ein führendes Alttier an der Spinne zu erkennen. Und dann wurde weidmännisch die Bauchdecke des Alttieres aufgeschürft, Gescheide und Geräusch entfernt und ausgebreitet. Den viergeteilten Magen des wiederkauenden Schalenwildes erkannten wir schnell. Ohne vorab zu ringeln wurden Schlund und Drossel gelöst und der Darm abgeschärft. Zum Untersuchungsspektrum gehörten die gallenlose Leber, Milz und Lunge. Drüsengewebe wurde für die Tbc-Kontrolle beiseite genommen. Mit dem Ringeln war der Aufbruch fast beendet. Am aufgebrochenen Stück wurde uns erklärt, dass mit frischem Wasser für saubere Wildbrethygiene gesorgt werden muss. Manches in der Jagdausübung wird situativ und individuell entschieden – bei Wildbrethygiene gibt es keine Diskussion. Im Wildpark werden die Überreste den Wölfen gegeben, ansonsten bleiben sie im Wald – denn da gibt es genug Raubwild, das diese Leckerbissen liebt. Die Grandln als Trophäe – und zur Altersschätzung – wurden noch aus dem Oberkiefer des Stücks gelöst.

„Jäger sind keine Tiermörder

In einer der vier Gruppen entbrannte eine engagierte Diskussion. Viele Menschen verstünden die Jagd nicht und Jäger würden wie ein rotes Tuch wahrgenommen, äusserte sich Ammann. Ruhestörende Aktivitäten gingen zu Lasten der Wildtiere. Rotwild beispielsweise lerne sehr schnell und könne vergrämt werden. Dabei könnten Ruhe und Besonnenheit Freizeitsuchenden viele wunderbare Momente in der Natur ermöglichen. Bewusstsein von allen Beteiligten ist daher wünschenswert, damit in unserer Kulturlandschaft Tier und Mensch Lebensraum gewahrt werden können.

Mit dem Abbalgen eines Fuchses endete das spannende und erkenntnisreiche Seminar und mit dem Gemütlichen bei Hirschwurst und Glühmost wurde eine interessante und lehrreiche Praxiseinheit abeschlossen. Begeisterung, Wissensvertiefung, Praxisrelevanz und ein Erlebnis, das wirklich alle Sinne angesprochen hat, waren das positive Fazit der angehenden JungjägerInnen.

Weidmannsdank für die eindrückliche und kompetent vermittelte Erfahrung in erfrischender Lernatmosphäre!

Fotos: Andrea Kerbleder

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