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Lungenwurmerkrankung beim Rehwild

Fallbericht:

Ein Jagdaufseher meldet beim Amtstierarzt die Erlegung einer Rehgeiß mit verdächtigen Veränderungen der Lunge sowie in der Brusthöhle und ersucht um Abklärung. Die nicht führende Geiß war am Vorabend erlegt worden.

Untersuchung des Tierkörpers und der Organe:
Schlechter Ernährungszustand, Haarkleid und Haut ohne Besonderheiten. An den inneren Körperoberflächen befindet sich im Bereich der rechten Brustwand ein zirka handflächengroßes Areal mit weißen, derb-elastischen Veränderungen, an denen auch Lungengewebe anhaftet (siehe Foto).

Foto: Norbert Greber

Leber und Darm zeigen keine Veränderungen. An beiden Lungenflügeln fällt eine unregelmäßige, höckerige Oberfläche mit mehreren runden, leicht erhabenen Bezirken auf. Der seröse Überzug ist nicht glatt, sondern an mehreren Stellen weggerissen (siehe Foto). Die Konsistenz des Organes ist puffig, die sichtbaren Knoten sind nicht derb, sondern ebenfalls weich elastisch bis puffig. In den Bronchien befinden sich geringe Mengen einer schaumigen Flüssigkeit.

Foto: Norbert Greber

Der pathologische Befund ergibt einen mittel- bis hochgradigen Lungenwurmbefall.

Diskussion:
Die Lunge zeigt aufgrund einer Vielzahl an Brutknoten ein unregelmäßiges Bild. In den Knoten bleibt aber das Lungengewebe weitgehend erhalten, sodass die Konsistenz weich-elastisch bleibt. Aufgrund der entstehenden Entzündung kommt es zu einer mäßigen Bindegewebszubildung und in der Folge zu Verwachsungen zwischen Lunge einerseits und der Brustwand andererseits. Bei der Entnahme der Lunge reißt dieses Bindegewebe und ein Teil des Lungengewebes bleibt an der Brustwand zurück. Ein weiteres Entzündungsmerkmal ist die Schleimbildung in den Bronchien, was kurz vor dem Eintritt des Todes durch die verstärkten Atembewegungen zu einer Schaumbildung führt.

Die Diagnose lautet in diesem Fall auf Parasitose durch Lungenwurmbefall.

Was könnte in so einem Fall sonst noch vorliegen? (Differentialdiagnose)
Eine Vielzahl von viralen und bakteriellen Krankheitserregern kann Entzündungen der Lunge verursachen. Allerdings sind diese bei den wild lebenden Tieren selten und treten am ehesten in Kombination mit einer Vorschädigung durch Parasiten auf. Wenn Entzündungen durch infektiöse Krankheitserreger auftreten, dann vorzugsweise in den Spitzenlappen, also in den vorderen und unteren Lungenteilen, während man die Parasiten und damit die Brutknoten vor allem im Hauptlappen und damit in den oberen und hinteren Bereichen der Lunge findet.

Eine Spezialform der bakteriellen Lungenentzündung ist die Tuberkulose. Diese hat einen chronischen Verlauf und zeichnet sich durch die Bildung von mehr oder weniger derben, speckigen Knoten aus, die nicht nur im Gewebe, sondern insbesondere auch in den Lymphknoten zu finden sind. Die Knoten beinhalten oft eine zähflüssige eitrige Masse. Da aber auch andere Bakterien zu Abszessen und damit zu eitrigen Knoten führen können und es auch Tumore gibt bzw. Metastasen, die ähnlich ausschauen, ist niemals die visuelle Untersuchung ausreichend. Eine endgültige Diagnose ist nur durch Einsenden des Organes und eine pathologische Untersuchung möglich.

Wildfleischhygienische Beurteilung:
Aufgrund der fortgeschrittenen Abmagerung wurde dieses Tier als untauglich beurteilt. Das Vorliegen von Parasiten alleine ohne Abmagerung ist kein Grund für Genussuntauglichkeit. Lediglich die befallenen Organe dürfen dann nicht für den menschlichen Verzehr genützt werden.

Wenn allerdings die Organveränderungen nicht sicher interpretiert werden können (Abgrenzung gegenüber TBC!), ist eine Endbeurteilung durch die Kundige Person nicht möglich und muss durch den Fleischuntersuchungstierarzt vorgenommen werden.

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