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Warum es wichtig ist, Tiere und Pflanzen im Winter zu „schonen“

05.03.2015

Autor: Linda Vater

Die zukünftigen Jungjäger der Vorarlberger Jägerschaft besuchten am 2. März die Inatura in Dornbirn mit der Sonderausstellung „Überwintern – 31 großartige Strategien“.
Obwohl die Jungjäger-Anwärter inzwischen doch schon ein dichtgedrängtes Programm absolvieren, konnten zwei Gruppen mit je 50 Personen gezählt werden.

Mit großer Freude und einer sichtlichen Begeisterung führte uns  Mag. Ruth Swoboda, Naturwissenschaftliche Direktorin der Inatura, sowie Mag. Matthias Gort in Begleitung von Mag. Jörg Gerstendörfer durch die Ausstellung.
Besonders in unseren Breitegraden ist der Winter für die Tier- und Pflanzenwelt eine große Herausforderung. Ob Winterruhe, Winterstarre oder Winterschlaf, sie alle haben gelernt, äußerst intelligente Strategien zu entwickeln, um wohlbehütet durch den Winter zu kommen. Sei es im Gebirge, im Wald, Gewässer oder in Siedlungsräumen. Tiere sind in der Lage, den Stoffwechsel auf das absolut überlebensnotwendige Minimum zu reduzieren, Herz- und Atemfrequenz bis fast zum Stillstand zu senken und sich so wenig wie möglich zu bewegen. Die meisten Pflanzen stellen die Photosynthese fast völlig ein.

Bei grimmiger Kälte gräbt sich das Schneehuhn in einen schrägen Tunnel in den lockeren Schnee und verschließt es hinter sich, um dort zu übernachten.
Eine Murmeltier-Sippe hält eng aneinander geschmiegt ihren Winterschlaf und erwacht alle zwei Wochen, um die „Toilette“ in einer Nebenkammer des Baus aufzusuchen.
Schalenwild frisst aus Mangel an Gräsern und Kräutern vermehrt Zwergsträucher, Rinde und Zweige und stellt mit ihrer Nahrung gleich das ganze Verdauungssystem um.
Die Jungen des Fichtenkreuzschnabels schlüpfen mitten im Winter, da ihre Hauptnahrung, die Fichtenzapfensamen, oft zu dieser Zeit reif sind. Bei sehr kalter Witterung sitzen die Weibchen vom ersten Ei an im Nest, ansonsten würden die ungewärmten Eier gefrieren.
Der Zitronenfalter überwintert als einziger Tagfalter ungeschützt im Freien. Die Winterhärte erreicht er, indem er nahezu alles Wasser ausscheidet und das Frostschutzmittel Glycerin einlagert, welches den Gefrierpunkt weiter herabsetzt.
Enten kühlen ihre Füße auf 0°C ab, behalten aber ihre normale Körpertemperatur. Ihre Füße haben einen ausgeklügelten Wärmetauscher: die Arterien, die das warme Blut vom Körperinneren in die Füße transportieren, sind von Venen umgeben. So wird das in den Füssen abgekühlte Blut auf seinem Weg zurück in den Rumpf wieder aufgewärmt. Die kalten Entenfüße tauen daher das Eis nicht auf und können somit auch nicht anfrieren.
Bienen rücken bei Kälte ganz eng zu einem kugeligen Gebilde zusammen, in der Mitte die Bienenkönigin. Die Arbeiterinnen halten die „Traube“ warm, indem sie ihre Flugmuskulatur im Leerlauf zittern lassen, wobei sich die Flügel nicht bewegen. Damit die äußeren Bienen nicht auskühlen, wechseln sie regelmäßig von außen nach innen.

Unter anderem war es Ruth Swoboda sehr wichtig, den Jungjägeranwärtern zu vermitteln, dieses nun „Mehr-Wissen“ des Überwinterns und die daraus resultierende „Schonung“ der Tiere und Pflanzen im Winter, immer wieder öffentlich zu argumentieren.

Die Sonderausstellung “Überwintern – 31 großartige Strategien” kann noch bis 19. April besichtigt werden.

Fotos: Norbert Lenz


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