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Jagd zwischen Hirschruf und Twitter

Von 20. bis 22. Juni 2013 fand in Gargellen / Vorarlberg die 51. Internationale Jagdkonferenz zum Thema „Jagd zwischen Hirschruf und Twitter – Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit im Zeitalter von neuen Technologien und sozialen Netzwerken – Herausforderung und Chance“ statt.

LJM DI Heinz Gach, Präsident der Internationalen Jagdkonferenz, und LJM Dr. Ernst Albrich konnten zur Eröffnung der Tagung nicht nur die Referenten der Tagung sowie die Vertreter der einzelnen Mitgliedsstaaten, sondern auch Landesrat Ing. Erich Schwärzler, Vize-Bürgermeister Thomas Lerch sowie den Präsidenten der FACE Baron Gilbert de Turkheim (Zusammenschluss der Verbände für Jagd und Wildtiererhaltung in der EU), begrüßen. Unter den Klängen der Rätikon Alphornbläser und umgeben vom Panorama der Gargellner Bergwelt konnten bereits erste Kontakte geknüpft und Erfahrungen ausgetauscht werden.

Jagd zwischen Hirschruf und Twitter

Zu Beginn der Jagdkonferenz stellte DI Hubert Schatz, Landeswildbiologe, das Bundesland Vorarlberg, die wichtigsten Wildarten sowie die Jagd in Vorarlberg vor.

„Die Zukunft der Jagd in einer oberflächlichen Misstrauensgesellschaft“
Dr. Werner Beutelmeyer (market Institut Linz)

„Wie schaut die Jagd im Jahr 2030 aus? Die Wertschätzung der Natur nimmt zu (herrlich, traumhaft, schön, hier kann ich meine Batterien auftanken), ebenso nimmt aber auch die Oberflächlichkeit im Umgang mit der Natur zu (ich kenne mich mit der Natur nicht mehr aus – was haben die Bauern zu tun, was macht ein Jäger etc. – es werden zwar viele Lederhosen und Dirndl getragen, aber aus einem anderen Grund…). Ebenso nimt das Naturverständnis ab und gleichzeitig der Natur-Egoismus zu (die Natur gehört mir).

Laut Beutelmeyer muss die Jugendarbeit, die Arbeit mit Kindern, die Arbeit in den Schulen standardisiert fortgesetzt werden – und zwar flächendeckend, verpflichtend, gemeinsam!  „Aber es braucht auch massive Arbeit innerhalb der Jägerschaft, es gibt nichts lernwidrigeres als den alten Jäger – weil der meint, dass er alles weiß und alles gelernt hat. PR heißt nicht, nur die Zuckerzeiten zu zeigen, sondern darüber zu reden, was wir tun – wir müssen verständlich sein! Wir müssen einfach sein, verständlich sein, aber auch emotional sein – die Jagd ist ein emotionales Thema und soll ein Teil unserer Gesellschaft bleiben.“

Lesen Sie mehr dazu HIER (Dr. Werner Beutelmeyer)

„Social Media für Jagd & Forst“
Dr. Florian Krenkel (CEO Ogilvy Group Austria)

Was ist das (Social media) eigentlich? Warum ist es wichtig? Was passiert da?

Warum hat es Sinn für Organisationen? „Wir versuchen immer, alles rational zu erklären – auch in der Jagd ist das so – aber wir müssen auf der Emotion kommunizieren, denn die Leute, die wir ansprechen, die reagieren auch emotional – wir gehen jagen, weil wir gerne jagen gehen – das ist Lust, das gefällt uns – nicht zwei Stunden erklären, was die Jagd alles bewirkt etc. Wir müssen auf die emotionale Ebene gehen – Stimmungen sind emotion, die sind nie rational!“

Was ist social media? Es geht um Menschen und Beziehungen, es geht um Emotionen – es ist eine Quelle neuer Kreativität, Werkzeuge und Möglichkeiten und es gilt weltweit!

„Was mache ich als Konsument – wem glaube ich mehr – einem Verkäufer aus dem Geschäft oder meinen Freunden im Netz, die mir dazu raten – die Erfahrungen damit gemacht haben…. das ist Emotion, das ist die Gesellschaft, in der ich mich bewege“.

Beispiele von Social Media sind YouTube, Facebook und Twitter. Aber warum ist das wichtig? „Eine Million Websites sind auf Facebook integriert, 80% aller User connecten sich gerne mit Marken und Organisationen auf social media, 25% aller User überprüfen ihr Konto 5x oder mehr jeden Tag und 25% aller User kümmern sich nicht um Privatsphäre Einstellungen! Wenn Facebook ein Land wäre, wäre es das nach Bevölkerungszahl das drittgrößte der Erde – größer als die USA!“

Und warum sollte uns das alles interessieren? Sichtbarkeit und Bekanntheitsgrad steigern, Image bilden, Feedback bekommen, im Dialog Vertrauen gewinnen…

„Jagd goes multimedia – Weidwerken im web“
Vivienne Klimke (Wild & Hund Redaktion Süd)

„Mitte der 2000er Jahre veränderte sich das Internet von einem reinen Informationsangebot zu einer von allen produktiv nutzbaren Plattform – web 2.0. Jeder Nutzer hat jetzt gleichermaßen die gleiche Möglichkeit, sich einzubringen – „Demokratisierung“. Erlebnisse und Erfahrungen einzelner Jäger können nun öffentlich gemacht werden – aber es fallen auf der anderen Seite Kontrollinstanzen weg – wie es z.B. in einer Redaktion der Fall wäre.“

Klimke stellte weiters die unterschiedlichen „jagdlichen“ Möglichkeiten im web dar: Forum (z.B. Wild und Hund Forum), Blog (eine Art Logbuch im Internet; z.B. Jagd Blog – das etwas andere Jagdtagebuch) sowie Twitter / Tweeds.

Lesen Sie mehr dazu HIER (Vivienne Klimke)

Best Practice Beispiele

Am Nachmittag folgte die Präsentation von zwei „Best Practice Beispielen“: dem „Revier-App“ von Wild und Hund durch Vivienne Klimke, sowie dem Internetportal der Vorarlberger Jägerschaft www.vjagd.at durch Mag. (FH) Stephan Hohn (Lesen Sie mehr dazu HIER).

Der Festabend brachte die Teilnehmer in luftige Höhen auf 2.130 m Seehöhe, wo unter musikalischer Begleitung der Hausmusik Kraft und bei hervorragendem Essen die Inhalte der Tagung weiter diskutiert und Gedanken ausgetauscht wurden.

Der folgende Exkursionstag führte ins Vergalda, eines der schönsten Seitentäler des Montafons. Hier erläuterte Senn Daniel Mangeng die Käseproduktion auf seiner Alpe sowie Jagdschutzorgan Bertram Netzer die Bejagung.

Einen herzlichen Weidmannsdank stellvertretend an Bertram Rhomberg und sein Team vom Hotel Madrisa in Gargellen als Tagungshotel mit idealem Rahmen und hervorragendem Essen. Weiters einen herzlichen Dank an LJM Dr. Ernst Albrich, Geschäftsstellenleiterin Carmen Kaufmann, Akad. JW Karlheinz Jehle sowie Mag. Monika Dönz-Breuß für die perfekte Organisation der Veranstaltung.

Schlusserklärung der 51. Internationalen Jagdkonferenz

„Im Zeitalter neuer Technologien und sozialer Netzwerke stellen Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit eine große Herausforderung dar. Sie können aber auch zur Chance werden. Aus dieser Erkenntnis heraus widmete die 51. Internationale Jagdkonferenz ihre Tagung, die vom 20. bis 22. Juni 2013 auf Einladung der Vorarlberger Jägerschaft in Gargellen stattfand, dem Thema „Jagd zwischen Hirschruf und Twitter“.

In den einzelnen Fachreferaten wurden wichtige Erkenntnisse vermittelt. Prof. Dr. Werner Beutelmeyer vom market Institut Linz berichtete von seinen Umfragen über die Erwartungen zur jagdlichen Betätigung in der Zukunft. Er wies darauf hin, dass die kommende Generation veränderte Vorstellungen vom Jagen hat. Während die Freude an der Natur überall zunimmt, verringern sich das Wissen über die Natur und die Bereitschaft, sich dort langfristig zu engagieren. Jagd als gesellschaftlicher Auftrag wird verstärkt als Freizeitbetätigung gesehen. Aus jagdlicher Leidenschaft und Tradition wird bloßes Erleben.

Dr. Florian Krenkel (Ogilvy Group Austria) informierte mit beeindruckenden Zahlen über die Bedeutung der „social media” und die gewaltige Informationsmenge, die zur Verfügung steht und in der Jagd, Wild und Jäger zurzeit nur eine nachrangige Bedeutung haben. Hier gilt es, die technischen Möglichkeiten zu nutzen, um die Aufgaben und Interessen der Jagd auf emotionaler Ebene professionell zu kommunizieren.

Vivienne Klimke, eine freie Jagd-Journalistin, stellte die unzureichende Präsenz der Jagd und der Jagdverbände in den sozialen Medien dar und empfahl dringend, die vielfältigen Möglichkeiten auch einzusetzen.

Ein überzeugendes Beispiel aus der Praxis mit beeindruckenden Zugriffsstatistiken stellte Mag. (FH) Stephan Hohn mit dem „Vorarlberger Jagdportal” vor. Hier ist in Zusammenarbeit von Fachleuten und engagierten Jägern mit voller Unterstützung der Verbandsverantwortlichen Richtungweisendes entstanden.

Nach eingehender Diskussion der Referate kamen die Teilnehmer der einzelnen Jagdverbände aus  Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Niederrhein, Österreich, der Schweiz und Südtirol zu folgenden Erkenntnissen und Feststellungen:

Die IJK fordert ihre Mitgliedsverbände auf, verstärkt die Möglichkeiten der neuen Medien – eventuell sogar gemeinsam oder in enger Absprache, auch mit den Partnern des ländlichen Raumes – zu nutzen und Jagdportale auch auf europäischer Ebene einzurichten und aktiv zu betreuen. Damit können die Bedeutung und Wirkung der Jagd für die Gesellschaft herausgestellt werden. Gleichzeitig müssen Jagdkultur und Tradition gelebt und weiter entwickelt sowie die Kommunikation untereinander verstärkt werden, um die hohe Emotionalität der Jagd für Jäger und Nichtjäger deutlich zu machen und zu erhalten.“

Gargellen, am 21. Juni 2013

Die 51. Internationale Jagdkonferenz hat Spuren hinterlassen – dies deuten vor allem die positiven Rückmeldungen der einzelnen Teilnehmer, hier stellvertretend das Kommentar von Präsident LJM DI Hein Gach: „Die 51. IJK war für uns alle wieder ein großartiges Erlebnis. Dafür danken wir alle unseren Vorarlberger Freunden sehr herzlich, die mit ihrem unvergleichlichen Charme, mit ihrer liebenswerten Gastfreundschaft und mit der Auswahl der Vortragenden alle tief beeindruckt haben. Nochmals ein herzliches Weidmannsdank an Landesjägermeister Dr. Ernst Albrich und sein unermüdliches Team!“

Einen herzlichen Weidmannsdank an dieser Stelle vor allem auch den Sponsoren der 51. Internationalen Jagdkonferenz:  Land Vorarlberg, Vorarlberger Illwerke AG, Metzler, mevo, Muntafuner Trachtaställi sowie Wild und Hund.

Rahmenprogramm

Carmen Kaufmann

Unser erster Halt war das Tourismusmuseum in Gaschurn, Wir wurden mit einem Gläschen Sekt empfangen und Herr Gerd Sprattler führte uns mit spannenden und unterhaltenden Geschichten aus frühen Zeiten durch das ganze Museum.
Anschließend ging es weiter nach Partenen  zum Pumpspeicherkraftwerk der Illwerke, dem Kopskraftwerk II, wo uns eine interessante Führung von Herrn Dietmar Juffinger geboten wurde. Nachher nahmen wir auf Einladung der Illwerke, im Gasthof „Partenerhof“ das Mittagessen ein. Um zirka 13.30 ging es in Richtung Schruns mit Zwischenstopp im „Muntafuner Trachtaställi“.

Fotos: Monika Dönz-Breuß

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