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Hurra, die Gams!

Am 2. Oktober 2011, an einem wunderschönen Mittag im Herbst im Hochgebirge, als ich mit meinen Töchtern und meinem Vater gemütlich auf einem Felsen sitzend Speck und Käse genoss, erschallte von Weitem völlig unerwartet ein greller Schuss. Mein Vater meinte: „Die gehen auf Gams!“ Und um mich war es geschehen. Völlig gefesselt und fasziniert von dem Gedanken, einmal bei einer Gamsjagd mit dabei zu sein, machte ich mich zu Hause auf die Suche nach den dafür nötigen Voraussetzungen.

Der Jungjägerlehrgang 2011/12 fing wie bestellt ein paar Wochen später an, und dieser Kurs mit seinen Referenten hat mich derartig gefesselt, dass ich sämtliche Kurseinheiten sowie Exkursionen besuchte. Nach intensivstem Lernen und nach der bestandenen Jagdprüfung im Mai, fand dann unsere Abschlussfeier statt. Dabei hatte ich das große Glück, dass das Los des von der Jagdgesellschaft Nenzinger Berg spendierten Gamsabschusses auf meinen Namen viel. Überwältigt von meinem Glück, war ich nicht mehr zu halten und rief: „Hurra, die Gams!“

Es verging nicht viel Zeit und mein erstes Telefonat mit Peter Tabernig, Berufsjäger im Jagdgebiet Nenzinger Berg, folgte. Voll Stolz löste ich am 22. Juni meine erste Jagdkarte und am Nachmittag desselben Tages ging ich zum ersten Mal mit Peter Tabernig auf die Pirsch. In diesem Jagdgebiet gibt es eine größere Freihaltung, welche eine intensive Bejagung erfordert.

Es war regnerisch und schon auf dem Weg bzw. auf der Fahrt in dieses riesige Jagdgebiet hatten wir atemberaubende Anblicke. Sichernde Murmeltiere, duckende Hasen, flüchtende Rehböcke und wechselndes Rotwild… kurzum: wie im Paradies! An einem der letzten Wendepunkte, bevor es zu Fuß weitergehen sollte, meinte auf einmal Peter: „Da steht er, das ist er, steig aus, hol Rucksack und Büchse, leg an und schieß!“ Ich also raus,  Rucksack raus und Büchse drauf, aber bis ich ihn jedoch im Ziel hatte, war er „GOTTSEIDANK“ schon hinter einer Fichte verschwunden. Das wäre dann doch zu schnell gegangen.

Darauf folgten am Abend bei Pirschgängen in den feuchtnassen, steilen Hängen um die Lawinenverbauungen noch weitere zwei Gelegenheiten. Aber die Gamserl waren zu schnell – und ich zu langsam. Völlig erschöpft und nach einer zünftigen Jause im Jagdhaus viel ich um zwei Uhr morgens ins Bett und um vier Uhr morgens ging es schon wieder auf. In den frühen Morgenstunden folgte eine weitere Gelegenheit. Aber leider, zu steil und für mich viel zu weit.

Beim Wechseln des Pirschpfades, plötzlich direkt vor uns, ein Rehbock! Peter: „Den muss ich!“ Im selben Moment auf über 100 Meter, kniend am Stock, fiel der Bock auf der Stelle. Weidmannsheil – So wird das also gemacht, dachte ich mir. Ein Meisterstück! Das öffnete mir die Augen und ich beobachtete Peter noch mehr bei jeder seiner Bewegungen, merkte mir sämtliche Ratschläge und bewunderte, wie vorsichtig, ruhig und bewusst er sich in der Natur bewegte.

Nach einem Tag Pause, am Abend des 25. Juni, nach dem dritten Pirschgang, war es dann so weit. Anfangs heftigste Regengüsse, Nebel und beim Aufklaren dann plötzlich beim pirschen in einen Hang, ein mit Scharwild übersätes Bergkiefernfeld. Weiter entfernt etwas ältere Stücke, die jedoch immer wieder von Latschen verdeckt wurden oder spitz standen. Dann auf einmal, perfekt platziert und separat stehend, im Schutz der Kiefern, ein Jahrling auf gute 155 Meter steil bergab. Nach einem fordernden „Fahr ihe, schüß!“ von Peter, machte ich den Finger krumm und der Gamsbock viel im Schuss. Nicht gezeichnet, einfach nur umgekippt.

Wir warteten ab und umstiegen dann den Hang. Peter ging voraus. Als er mir dann von weit vorne ein sehr freudiges „Weidmanns Heil“ zurief, geschah mit mir dasselbe, wie damals im Hochgebirge, als ich mich entschlossen hatte, Jäger zu werden. Peter gab dem Stück den letzten Bissen und reichte mir mit einem herzhaften Weidmannsheil den Bruch. „Perfekt getroffen, besser geht nicht!“, sagte er. Aufbrechen wollte ich den Gamsbock selbstverständlich selber, um mir das kleine Jägerrecht von meinem ersten erlegten Stück nicht entgehen zu lassen. Die Krönung dieses Jagdtages war das Verblasen des Stückes mit dem „Gams tot“ beim Jagdhaus durch Peter. Die Gamsleber war nach dem Zubereitungsrezept von Peter äußerst köstlich und meine jüngste Tochter hat mich unlängst gefragt, wann es die denn wieder mal gibt.

Ein fantastisches Erlebnis! Diese drei Tage am Nenzinger Berg werde ich nie vergessen. Weidmanns Dank, Peter!

Weidmannsheil, Christof Ritter

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