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Grüner Hörsaal

Autorin: Dr. Marion Eckert-Krause, angehende Jungjägerin

Topfrische Referenten und wissbegierige JungjägerInnen in adäquatem Outfit trafen sich bei Frühlingswetter am 25. März 2017 im Wildpark Feldkirch zum Ausbildungsteil Wildpark-Exkursion und Anschuss-Seminar. „Sehr stolz“ sei man auf die Zusammenarbeit mit dem Wildpark und das sich im 10. Jahr seiner Durchführung befindende „Anschuss-Seminar“, so die Begrüßung durch den Leiter der Jägerschule Mag. Jörg Gerstendörfer.

Wo Wimpertierchen bei Laune gehalten werden

Akad. Jagdwirt Christoph Rogge nahm der Gruppe mit seinen ersten systematischen Fragen das einsetzende Prüfungs-Lampenfieber. Keine seiner Fragen blieb unbeantwortet. Mit Anblick auf eine Bache und ihre Frischlinge arbeitete man sich von Haarwild zu Schalenwild, Haarraubwild und den Themen Gallenblase, Wiederkäuermagen und Allesfressergebiss sowie Geweihbildung und Unterschiede bei Hornträgern durch. Dass zum Hochdrücken der Nahrung der Raufutteranteil eine Rolle spielt, gehörte ebenso zur Wiederholung wie die Wimpertierchen und Bakterien, die in so einem viergeteilten Magen „bei Laune gehalten“ werden müssen, damit die Verdauung klappt. Eine Entzündung des Magens hat den elendigen Tod des Wildtieres zur Folge und genau das soll mit weidgerechter Jagd vermieden werden. Achtung vor dem Leben, wildgerechte Lebensraumbedingungen und das verantwortungsvolle Erlegen sind für JägerInnen elementar.

Luchs, Wolf und Bär – Großraubwild mit Sachlichkeit diskutieren

Das Muffelwild nur kurz gestreift, ging´s von Bejagungskriterien für Schwarzwild zu Grat- und Waldgams bis zum hochalpin lebenden Steinwild bevor das Thema Großraubwild ins Visier genommen wurde. Sachliche Diskussion, so Rogge, müsse an oberster Stelle stehen, wenn es um Luchs, Wolf und Bär in Vorarlberg ginge. „Das klappt sehr schön“, meinte er begeistert zum Wissensstand. Abgerundet wurde die Praxiseinheit durch das Rehwild. Bei diesem territorial lebenden Konzentratselektierer und Kulturfolger in der Randzone Wald wurden neben Charakteristika wie Keimruhe, Plätzen, Markieren und Fegen auch Setzzeitbedingungen, Stellung der Rosenstöcke und Ausprägung des Geweihs thematisiert. Die lockere Gesprächsatmosphäre hat Lernen zum Erlebnis gemacht. Danke, Christoph Rogge!

Das Bild vom „Tatort“ – Pirsch- und Schusszeichen

Kleine Stärkung und schon übernahmen die Jagdschutzorgane Hubert Loretter, Robert Ess und Wildparkleiter Christian Ammann. „Sie bekommen Wild in Anblick, was ist alles zu berücksichtigen?“ In der Praxis sind die Abläufe, die sich in der Theorie länger lesen, minutiös zu sehen, denn sonst ist das Stück über alle Berge, bevor man zum Schuss kommt. Eine exakte und sichere Ansprache ist unerlässlich, ob der Finger am Abzug gerade bleibt oder nicht. Denn bricht der Schuss, kann nichts mehr rückgängig gemacht werden. Bleibt das Stück nicht im Feuer, sondern macht sich hoch und flüchtet, dann kommt es zur Nachsuche. Dazu muss man ein Bild vom „Tatort“ haben, sich markante Stellen merken und den „letzten Schweiß verbrechen“, denn sonst hat der Jagdhundeführer zu wenig Anhaltspunkte. Wichtig sei auch, schussbereit zu bleiben und ,wenn erforderlich, einen ganzen Familienverband auszulöschen, um Problemstücke zu vermeiden.

Beeindruckend war, dass der Jagdhund nicht nur der Schweiß-Spur folgt, sondern mit tiefer Nase auch nach Bodenverwundungen sucht.

Gezeigt wurde neben verschiedenen Bruchzeichen auch die Wirkung von Jagdmunition auf ein flüssigkeitsgefülltes System, wie es ein Wildkörper auch darstellt.

Die Teilnehmenden durften dann präparierte „Tatorte“ auf Anschuss- und Pirschzeichen untersuchen. Was findet man bei Äser-, Lauf-, Herz- und Weichteilschüssen und wie weit verteilt sind diese Zeichen zu finden – oder auch nicht. Mit allen Sinnen muss ein Jäger die Umgebung des Anschusses untersuchen, denn nur so kann eine effiziente Nachsuche erfolgen und das krankgeschossene Wild erfolgreich aufgefunden werden. Großartig, Christian Ammann, Robert Ess und Hubert Loretter!

Fotos: Andrea Kerbleder

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