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Gewässerbegleitende Wälder in den Tallagen Vorarlbergs

24.11.2014

Autor: Markus Grabher, UMG Umweltbüro Grabher

Auwälder zählen zu den artenreichsten Lebensgemeinschaften Mitteleuropas. Allerdings wurden intakte, d.h. mehr oder weniger regelmäßig überschwemmte Auwälder durch Hochwasserschutzmaßnahmen, durch die Ausweitung der Siedlungs-, Betriebs- und Landwirtschaftsflächen in Vorarlberg und in ganz Mitteleuropa selten.

Dabei sind Auwälder nicht nur ökologisch wertvoll, sondern gleichzeitig wichtig für den gesamten Landschaftswasserhaushalt – etwa als Retentionsräume für Hochwässer – und nicht zuletzt auch attraktive Erholungsräume mit einem hohen Erlebniswert. Aufgrund ihrer vielfältigen Bedeutung sind Auwälder im Anhang I der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie der EU gelistet, der jene Lebensräume nennt, für die Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen; Weichholzauen sind sogar sogenannte „prioritäre“ Lebensräume.

In einer Grundlagenstudie des Vorarlberger Naturschutzrats wurden Informationen zu den Auwäldern der Tallagen im Leiblachtal, Rheintal, Walgau, Montafon und Klostertal erhoben, also jenen Talschaften, in denen die großflächigsten Auwälder des Landes erhalten sind.

Insgesamt wurden in den Talebenen von Leiblachtal, Rheintal, Walgau, Klostertal und Montafon rund 2.100 ha Waldflächen erhoben.

Landschaftswandel

Auf der Grundlage historischer Kartenwerke lässt sich recht gut rekonstruieren, wie unsere Fließgewässer einst ausgesehen haben: In den vergangenen zwei Jahrhunderten ist ein Großteil der Flussräume der Talebenen verschwunden. So ist etwa an der Ill zwischen Nüziders und Göfis/Frastanz gemäß einer Studie der Abteilung Wasserwirtschaft der Landesregierung heute weniger als ein Fünftel jener Fläche erhalten, die hier noch im Jahre 1825 der Ill zur Verfügung stand.

Heute sind Auwälder meist vom Überschwemmungsregime der Flüsse abgeschnitten, Weichholzauen daher vielerorts in Umwandlung zu Hartholzauen begriffen. Im besten Fall besteht noch ein Anschluss an das Grundwasser. Aufgrund dieser Veränderungen lassen sich viele Auwälder heute vielleicht am besten als Wälder auf ehemaligen Austandorten charakterisieren, deren Baumartenzusammensetzung durch das weitgehende Fehlen der Buche gekennzeichnet ist.

Einige Zahlen

Mit rund 1.200 ha im Rheintal und etwa 650 ha im Walgau sind in den großen Talräumen naturgemäß zugleich die größten Auwälder erhalten, während die Geländetopografie im Montafon, Klostertal und Leiblachtal die Breitenerstreckung von Auwäldern oft von Natur aus beschränkt. Und mit rund 1.600 ha entsprechen nahezu vier Fünftel der insgesamt 2.100 ha erfassten Waldflächen Hartholzauen im weitesten Sinn, in denen ohne Einfluss des Menschen meist Esche, Stieleiche und Bergulme dominieren würden. Weichholzauen mit Grauerlen, Weiden und Pappeln dagegen – hierzu zählen auch die den jährlichen Wasserstandschwankungen des Bodensees ausgesetzten Silberweidenwälder – umfassen mit rund 160 ha weniger als ein Zehntel der gesamten Auwaldfläche. Ebenfalls zu den Weichholzauen zählen die 25 ha Pionierstadien bzw. jungwüchsigen Auwälder auf Kiesbänken mit einem Anteil von nur rund 1 % der insgesamt erfassten Auwaldflächen. Die letzte Zahl verdeutlicht auch, woran es in unserer Kulturlandschaft vor allem mangelt: an dynamischen Gewässerlebensräumen, die den Flüssen Raum lässt, wo natürliche Prozesse wie Erosion und Anlandung und eben auch Auwaldentwicklung möglich ist.

Dann gibt es noch spezielle Waldtypen wie die Föhren-Trockenauen auf dem Schwemmfächer der Lutz im Walgau, Auwälder auf künstlichen Standorten, die beispielsweise durch Kiesbaggerungen entstanden sind, sowie seit wenigen Jahren die aus Hochwasserschutzgründen regelmäßig auf Stock gesetzten Ufergehölze vor allem an Bregenzerach und Ill – inzwischen immerhin über 60 ha.

Verbauungen und Erschließungen

Die Jährlichkeit, die angibt, wie häufig eine Fläche statistisch überschwemmt wird, spiegelt ebenfalls den Landschaftswandel wider: Innerhalb der sogenannten HQ30-Linie, die jene Flächen umgrenzt, die zumindest alle 30 Jahre oder häufiger überschwemmt werden, liegen etwa 13 % der Talauen. Alle anderen gewässerbegleitenden Wälder werden nur sehr selten oder gar nicht mehr überschwemmt, denn gut zwei Drittel der Auwälder liegen sogar außerhalb des HQ300-Abflussbereichs.

Es ist dies eine Folge der Gewässerverbauungen für den Hochwasserschutz, die eine intensive Nutzung und Bebauung der gewässernahen Talräume erst ermöglicht hat. Darüber hinaus sind die Auwälder stark erschlossen, denn 98 % befinden im Umkreis von 200 m um Straßen und Wege. Insbesondere im Montafon und Klostertal erfordern auch Stromleitungstrassen regelmäßige Eingriffe in den Waldflächen. Teilweise wurde die Baumartenzusammensetzung zudem durch forstwirtschaftliche Nutzung verändert. Und nicht zu vergessen die Pilzerkrankungen, die zwei der wichtigsten Baumarten treffen und das Erscheinungsbild der Hartholzauen verändern. Die Bergulme ist seit langem durch eine über den Ulmensplintkäfer übertragenen Pilz im Rückzug. Wie sich das seit einigen Jahren auftretende Eschentriebsterben (Eschenwelke) auswirken wird, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.

Regelmäßig überschwemmte Weichholzauen wurden zu seltenen Lebensräumen.

Schützenswerte Lebensräume

Trotz all dieser Veränderungen sind die  meisten „gewässerbegleitenden Waldflächen der Tallagen“ als ökologisch wertvolle Laubwaldgesellschaften erhaltenswert. Fast die Hälfte der Gesamtfläche wurde daher auch durch das Vorarlberger Biotopinventar erfasst. Oft stehen Auwälder nicht für sich,  sondern sind mit anderen wertvollen Lebensräumen vernetzt. Neben naturnahen Gewässern sind dies im Rheintal und im Walgau vor allem Riedgebiete und Streuwiesen. Mit zunehmender Meereshöhe stehen Auwälder dagegen eher mit terrestrischen Wäldern und Gebirgslebensräumen der Talflanken in Kontakt. Insgesamt sind Auwälder ein wichtiges Element eines großräumig funktionierenden Biotopverbunds.

Die Erhaltung und Aufwertung der noch vorhandenen Auwaldflächen ist von zentraler Bedeutung aus ökologischer Sicht. Neben einer naturnahen Forstwirtschaft zählen dazu auch der Verzicht auf neue Infrastrukturen oder Maßnahmen zur Besucherlenkung in besonders sensiblen Lebensräumen. Insbesondere wären aber in Hinblick auf den Mangel an dynamischen Weichholzauen, die durch regelmäßige Überschwemmungen und durch spezielle Lebensräume wie Sand- und Kiesbänke geprägt sind, Flussrevitalisierungen wichtig. Vorschläge hierfür wurden bereits im Rahmen des Gewässerbetreuungskonzepts Dornbirnerach und der Gewässerentwicklungskonzepte Ill, Leiblach und Bregenzerach erarbeitet. Ziel wäre, in naher Zukunft ein großzügiges Revitalisierungsprojekt zu verwirklichen, das einem Fluss tatsächlich mehr Raum und Dynamik gewährt, die Entwicklung von echten Auwäldern erlaubt und durch die positiven Veränderungen als Vorzeigeprojekt für andere Gewässer dienen könnte.

Der Bericht „Wälder an Fließgewässern im Talraum Vorarlbergs“ kann auf der Website des  Vorarlberger Naturschutzrats  heruntergeladen werden: http://www.naturschutzrat.at/uploads/media/auwaelder_2014-09-29_bericht_01.pdf

Weitere Informationen zum Auwald in Vorarlberg finden Sie hier: Plattform Auwald

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