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Erste Hegeobfrau: Caroline Egger-Batliner – HG 2.3

Caroline Egger Batliner, seit Sommer 2010 Hegeobfrau der Hegegemeinschaft 2.3 und damit erste Hegeobfrau des Landes, im Interview:

Wie sind sie zur Jagd gekommen?
Als mein Großvater mütterlicherseits 1962 bei einem Jagdunfall tödlich verunglückte, war meine Mutter zu diesem Zeitpunkt mit mir hochschwanger und es muss wohl so gewesen sein, dass wir uns irgendwo zwischen Himmel und Erde getroffen haben, um mir die Jagdleidenschaft weiterzugeben.
Schon als Kind nahmen mich mein Vater und mein Onkel immer wieder mit auf die Pirsch. Für mich war als schulpflichtiges Kind die Jagd das ein und alles. Ich hatte keine anderen Hobbys, denn die Jagd füllte meine außerschulpflichtigen Aktivitäten vollkommen aus. Ich verbrachte sogar einige Zeit meiner Sommerferien immer wieder bei einem Jagdaufseher in Innerbraz im Klostertal.
Nach der Jungjägerprüfung war es für mich klar, sobald als möglich die Jagdaufseherprüfung abzulegen. Doch ein Jagdunfall machte mir einen Strich durch die Rechnung. Durch diesen Unfall verbrachte ich mehr Zeit im Krankenhaus statt in meinem Revier. Für viele Nicht-Jäger war und ist es unverständlich, dass mich der Gedanke an die Natur, Pirschgänge, Wild usw. nach so vielen Operationen immer wieder auf die Beine brachte.

Ein Arzt meinte sogar: „Frau Egger, sehen sie es ein, sie werden nie mehr richtig gehen können, geschweige denn wieder auf die Jagd gehen.“ Doch der Wille und meine Leidenschaft waren und sind stärker.
Durch diesen Unfall und die vielen Operationen rückte das Ziel der Jagdaufseherprüfung in weite Ferne. Doch als ich vor drei Jahren in der Vorarlberger Jagdzeitung das Inserat von der BOKU zum Jagdwirt sah, war ich sofort Feuer und Flamme, habe mich angemeldet und stehe nun im Endspurt dieses Lehrganges. Ich sehe darin auch die Möglichkeit, mich als Jäger weiterzubilden, denn auch als Jäger sollte man mit seinem Wissen nicht stehen bleiben.

Warum haben sie sich entschiede, sich der Wahl zum Hegeobmann zu stellen und das Amt anzunehmen?
Bei der im Sommer 2009 stattgefundenen Hegeversammlung hat uns mein Vorgänger DI Michael Manhart aufmerksam gemacht, dass im kommenden Jahr Neuwahlen stattfinden werden und wir, die Hegegemeinschaft, einen neuen Kandidaten für das Amt als Hegeobmann suchen sollten.
Nach der Sitzung gingen einige von uns noch auf ein Bier und da haben mich meine Jagdkollegen angesprochen, ob ich mich nicht zur Verfügung stellen möchte. Ich würde doch die Kriterien erfüllen. Ich habe damals noch dankend abgelehnt.
Alleine der Gedanke, als Frau das höchste Amt einer Hegegemeinschaft in einer „Männerdomäne“ zu bekleiden und nicht einmal in Lech ansässig zu sein, war für mich völlig absurd.
Im Frühjahr kam man wieder auf mich zu und nach einem Monat Bedenkfrist habe ich doch zugesagt. Auch aus diesem Grund, dass einige meiner Jagdkollegen jederzeit ihre Hilfe anboten, wofür ich sehr dankbar bin. Es gibt sie ja noch, die Weidkameradschaft!

Ich bin auch der Meinung, dass man nicht immer nur Andere kritisieren darf und immer nur meint, man könne alles besser. Man muss auch einmal selbst etwas anpacken, um zu sehen und zu verstehen, wo eigentlich die Probleme sind und auch versucht sie zu lösen.

Was nehmen Sie sich vor bzw. was wollen Sie erreichen – wie sehen Sie die jagdliche Entwicklung (Rotwild) in Ihrer Hegegemeinschaft
Gleich nach der Wahl, habe ich allen mitgeteilt, dass ich kein „Einmannbetrieb“ bin. So wurden die Ämter im Ausschuss aufgeteilt. Vor allem habe ich in den Personen der Ausschussmitglieder und Beiräte kompetente und erfahrene Jäger, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen und auch bereit sind, ihre Zeit nicht nur im Revier, sondern auch für Sitzungen, Schriftverkehr, Telefonate, Buchhaltung und in diesem Jahr ein wichtiger Punkt, die Anpassung unserer Satzungen an das neue Gesetz, investieren.

Eines meiner Ziele wird sein, die Einigkeit und auch Zusammengehörigkeit in der Gemeinschaft  weiterhin zu pflegen. Um dies zu fördern, haben wir einen Jägerstammtisch in Lech eingeführt. Wie früher, bei einem Bier (es können auch zwei sein) sich über Probleme im Revier auszutauschen, eventuell Trophäen mitzubringen oder einfach nur das „Jägerlatein“ zu pflegen (Termin: immer am 1. Mittwoch im Monat, auch in der Schonzeit).

Durch meine Funktion habe ich mich in den letzten Monaten schon sehr intensiv mit dem Forst auseinandersetzen müssen. Es gibt in der Hegegemeinschaft teilweise überalterte Waldbestände und durch die Höhenlage eine schwierige Verjüngungssituation. Der Borkenkäfer macht auch vor den Lecher Wäldern nicht halt. Auch gibt es einen hohen Anteil an Schutzwald mit Objektschutzfunktion. Dadurch, dass die Grundbesitzer nicht überwiegend Holznutzungsberechtigte sind, gibt es hier auch eine Wald-Weide-Problematik.

Das Wild, vor allem das Rotwild, hat im Sommer ausreichend Lebensraum, im Winter ist die Situation anders gelagert, was sicher auch touristisch bedingt ist.

Damit habe ich nur einige Probleme angeschnitten, die sicherlich vermehrt in den nächsten drei Jahren auf mich zukommen werden.

Eine Herausforderung wird auch der geplante Golfplatz in Lech/Zug sein. Auch hier gibt es Probleme mit Rodungen, Aufforstungen, Waldweide, zukünftiger Wildschaden usw.  

In diesem Winter probieren wir testweise us, bei Rotwild kein Kraftfutter mehr auszulegen. Wir werden im Frühjahr und im Sommer die Erfahrungen und die Schlüsse, die wir daraus ziehen können, diskutieren und gegebenenfalls weiterführen.

Eine große Änderung haben wir schon mit dem gemeinsamen Einkauf des Rehwildkraftfutters erreicht. Bis jetzt hat jeder, der eine Rehwildfütterung betrieben hat, den Einkauf selbst besorgt. In diesem Jahr haben wir eine gemeinsame Bestellung durchgeführt. Der Vorteil wird sein, dass man bei größeren Mengen einen besseren Preis erzielen kann. Ein weiterer Vorteil ist, dass es keine Lockfütterungen mehr gibt, da jeder dasselbe Futter auslegt.

Bezug nehmend auf die jagdliche Entwicklung des Rotwildes haben wir sicherlich ein schweres Erbe anzutreten. Die Behörde hat uns in diesem Jahr den Rotwildabschuss um 50 Stück erhöht. Ein weiteres Problem in „meiner“ Hegegemeinschaft ist wohl die TBC-Problematik. Dadurch verständlicherweise die Angst der Bauern um ihre Viehbestände.

Ich hoffe aber, dass die Behörde ihr Versprechen einhält, indem sie betont, wenn der Abschuss in diesem hohen Rahmen erfüllt wird und man auch eine Wirkung merkt, dass wir dann wieder zu einem normalen Abschussplan zurückfinden werden. Die meisten Jäger haben wohl Angst davor, dass, wenn sie in diesem Jahr die Abschusszahlen erfüllen, ihr Revier in den nächsten Jahren immer wieder einen so hohen Abschuss bekommen könnten. Auch diese Angst ist sicherlich gerechtfertigt.

Trotz Spaziergänger, Wanderer, Mountainbiker und auch Golfer sollten wir eines nicht vergessen: dass das Wild in unseren Gegenden Gottes Geschöpfe sind und wir froh sein müssen, dass wir mit so einer Artenvielfalt leben dürfen. In der heutigen Zeit sind die Jäger nicht mehr da um den Hunger mit dem Wildbret zu stillen. Auch der Trophäenkult sollte in den Hintergrund geraten.

Ich sehe die Aufgabe des Jägers in der heutigen Zeit darin, das Wild zu erhalten, den Lebensraum, schwerpunktmäßig den Rotwildlebensraum, zu schützen, ja sogar das Rotwild vor dem Ausrotten zu retten!

Beitrag in der Vorarlberger Jagd & Fischerei Jänner 2011 – pdf zum ausdrucken

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