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Erfolgreiche 9. Oberländer Jägertage

Autor: Robert Häusle

Die 9. Oberländer Jägertage fanden am 14. und 15. März 2014 erstmals in der Walserhalle in Raggal statt. Die Wahl dieses Veranstaltungsortes kann wohl als „Volltreffer“ bezeichnet werden. Der Raum selbst mit seiner angenehmen Atmosphäre und Ambiente, die Präsentation der Trophäen – insgesamt 1.953 – die gut organisierte Bewirtung, Wahl des Leithemas „Auswirkungen von Bär, Luchs und Wolf auf die Jagd“ und interessante Referate haben diese Veranstaltung bei den Besuchern allseits Zustimmung gefunden. Der Bürgermeister von Raggal, Herr Hermann Manahl stellte in seiner Grußadresse fest, dass diese Veranstaltung dem Motto des Biosphärenparks Großes Walsertal „Leben und Wirtschaften im Einklang mit der Natur“ voll entspreche und daher eine Bereicherung für die Talschaft darstelle.

Nach dem „Willkommen“ der Jagdhornbläser der Bezirksgruppe Bludenz konnte BJM Ing. Lothar Tomaselli zahlreiche Vertreter aus Politik – an der Spitze LR Ing. Erich Schwärzler – der Verwaltung, der Jagd der benachbarten Länder sowie mehrere Ehrenmitglieder begrüßen. Zur aktuellen Diskussion mit den Hauptproblemen Wildverbiss und Tbc beim Rotwild führte er aus, dass beim Kontrollzaunsystem bei Betrachtung der letzten 15 Jahre eine deutliche Verbesserung erkennbar sei und dass im vergangenen Jagdjahr im Bezirk Bludenz 250 Stück mehr Wild erlegt worden sei. Abschließend wünscht er sich, dass die Diskussionen zu diesen Problemen sachlich und emotionsfrei geführt werden sollen. Nachhaltige Lösungen seien anzustreben, die Jägerschaft erwarte zum Maßnahmenkatalog für die Jagd betreffend Bekämpfung der Tbc beim Rotwild neben der Erhöhung der Abschusszahlen auch die Regelung der anderen sechs noch offenen Punkte, was von LR Ing. Erich Schwärzler in dessen Grußadresse zugesagt worden ist. Lothar Tomaselli bedankte sich bei den Mitwirkenden an dieser Veranstaltung, aber auch allen Jägern, welche zu einer fairen Jagd und der Hege des Wildes im vergangenen Jagdjahr beigetragen haben.

Vortragsreihe “Bär, Luchs und Wolf”

Unter der Moderation von Mag. Otto Vonblon referierte Landeswildbiologe DI Hubert Schatz zur „IST-Situation in Vorarlberg“ beim Großraubwild, welche durch den jeweils nur kurzzeitigen Aufenthalt von Braunbär „Bruno“ im Jahre 2006 und des Wolfes im Gauertal nachweislich begonnen hat. Der erste Nachweis zum Auftreten des Luchses in Vorarlberg, welcher bereits früher vermutet worden ist, konnte im Herbst 2012 im Revier EJ Gamp mittels Fotoaufnahmen erbracht werden. Die späteren Beobachtungen in der EJ Nenzing 3-Vals beweisen die nun seither ständige Anwesenheit dieser Großraubwildart in Vorarlberg. Weitere Beobachtungen dieser Tierart, welche die geringsten Probleme bei deren Auftreten bewirken würde, konnten in Lorüns und am Hochjoch gemacht werden.

Beim Wolf, welcher 20 km von Vorarlberg im Calanda-Massiv (Grenzgebiet Graubünden/St. Gallen) mit einer Population, die nun schon zwei Generationen an Jungwölfen erbrachte und bald wieder eine weitere erwarten lasse, bestünden im Umgang mit dieser Großraubwildart viele Fragezeichen. Eine Einwanderung aus Graubünden nach Vorarlberg sei nicht auszuschließen bzw. könne schon bald eintreten, obwohl sich die erste Generation in Richtung Südwestalpen abgesetzt habe. Hubert Schatz richtet an die Landwirtschaft die Bitte das Problem zu erkennen und zeitgerecht Vorsorge zu treffen, wozu eine Informationsveranstaltung in Graubünden stattgefunden habe. Zu Auswirkungen des Wolfes auf Wild an Fütterungen würden noch keine Erfahrungen vorliegen.

Dr. Georg Rauer, Bärenanwalt und Wolfsbeauftragter, führte in dessen interessantem Referat mit dem Thema „Die Situation von Luchs, Bär und Wolf in Österreich“ aus, dass die Rückkehr dieser großen Beutegreifer eine Folge des praktizierten Naturschutzes sei. In diesem Zusammenhang wird auf die März-April-Ausgabe der Vorarlberger Jagd & Fischerei, Seite 22-24 verwiesen.

Vortrag Dr. Georg Rauer (pdf)

Paolo Molinari, Leiter des „Progetto Lince Italia“, Forschungsprojekt über Großraubtiere und Schwerpunkt Luchs in Italien, berichtete zum Thema „Was bedeutet die Anwesenheit von Luchs, Bär und Wolf für die Jagd in Österreich?“ als Wildbiologe und praktizierender Jäger von dessen Erfahrungen zu mehreren Projekten.

In den Schlussworten dankte Landesjägermeister Dr. Ernst Albrich der Bezirksgruppe Bludenz zur Wahl des Veranstaltungsortes und der Ausrichtung der gesamten Veranstaltung. Für ihn ergebe sich, dass große Beutegreifer die Probleme der Bestände nicht regeln würden. Es bestünden „gute Emotionen“ bei Bevölkerungsteilen und „Fundamentalisten“, welche die Rückkehr des Großraubwildes begrüßen würden. Es bestünden aber auch Ängste bei Bevölkerung, Naturnutzern, zu welchen auch die Bauernschaft zähle, Jägern („Konkurrenten“) und „Extremisten“ (kein Platz), welche das Großraubwild ablehnen würden. Das Verschwinden des „Ötscher-Bären“ empfinde er als Katastrophe für die Jagd, beide Gruppen müssten zusammengebracht werden. Die Vorarlberger Jägerschaft stehe der Rückkehr des Großraubwildes positiv gegenüber, was auch durch die gesellschaftliche Entwicklung gefordert werde.

Hirschrufmeisterschaft

Die laut Programm vorgesehene 9. Vorarlberger Hirschrufmeisterschaft musste leider zufolge von nur zwei Anmeldungen entfallen, beide „Kontrahenten“ lieferten sich jedoch ein „Ruf-Duell“, welches nach Meinung eines Tischnachbarn die anwesenden Damen gefesselt haben soll. Somit blieb für den anschließenden gemütlichen Jägerdämmerschoppen etwas mehr Zeit, die von den Besuchern auch zu intensiven Diskussionen genutzt wurde.

Der Blasmusikfrühschoppen am Sonntag mit den „Bürserberger Volksmusikanten“ zog zahlreiche Besucher an.

Der „Großwalsertaler Jägerstammtisch“, die Gemeinde Raggal und das Veranstaltungsteam der Bezirksgruppe Bludenz der Vorarlberger Jägerschaft, welchen an dieser Stelle zu danken ist, dürfen mit dem Verlauf der 9. Oberländer Jägertage am neuen „Standort“-Raggal, der für weitere sechs Jahre vereinbart worden ist, zufrieden sein.

Fotos: Robert Häusle, Monika Dönz-Breuß


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