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Drittes Internationales Falknerfestival

27.03.2015

Autoren: Carina Frank und Dr. Harald Barsch

Wenn eine harmonische  Gruppe von Falknern und Jagdmusikern in orientalische Gefilde aufbricht, so kann man vermutlich ein ganzes Geschichtsbuch füllen.

Vom 7. bis 13. Dezember 2014 war es wieder soweit. Der Emirates Falconers` Club in Abu Dhabi lud Falkner, Wissenschafter, Historiker, Greifvogelforscher, Biologen, Tierärzte, Künstler, Funktionäre, Freunde der Falknerei aus aller Herren Länder zum „3rd Festival of Falconry“ nach  Abu Dhabi ein.  Nahezu tausend Eingeladene aus 86 Nationen folgten diesem Ruf, galt es doch ein  Weltkulturerbe der UNESCO zu präsentieren und zu leben.

Obgleich Österreich bei weitem nicht zu den großen Ländern dieser Erde zählt, war unsere Delegation eine der stärksten Gruppen vor Ort. Falknerinnen und Falkner des Österreichischen Falknerbundes, angeführt von Präsident Dr. Barsch, Präsident Martin Ranzenhofer als Repräsentant des Falknerordens und die Wietinger Jagdhornbläsergruppe aus Kärnten ergaben eine 22-köpfige Delegation.

Bei der Ankunft am Flughafen in Abu Dhabi wurden wir von unserer Falknerin vor Ort Heike Dambly in Empfang genommen, die für uns schon im Vorfeld vieles organisierte und sich wahrlich als gute Fee erwies.

Noch am Flughafen teilte sich die Gruppe und einige Männer wurden sprichwörtlich in die Wüste geschickt. Sie verzichteten ganze vier Tage auf den Komfort eines geräumigen und luxuriösen Hotelzimmers und fuhren direkt mit dem Bus ins Wüstencamp, das rund 90 Minuten außerhalb der Stadt irgendwo im Nirgendwo einer riesigen Wüste  lag. Der Rest der Truppe durfte den Abend im Hotel bei gemütlichem Beisammensein ausklingen lassen.

Am Sonntag konnten auch jene, die eine erholsame Nacht im Hotelzimmer verbracht hatten, ihre Schuhe mit Wüstensand füllen und ein Shuttleservice brachte alle, die pünktlich zum Bus kamen, ins Camp. Der Aufwand, der von den Gastgebern für den Aufbau des Camps betrieben wurde, war bemerkenswert. Eine Zeltstadt war eigens für vier Tage, inklusive einer Fahrpiste, sprichwörtlich aus dem Sand gestampft worden. Speis und Trank konnte man in einem riesigen klimatisierten Zelt für 750 Personen zu sich nehmen. Ein weiteres Zelt stand für die zahlreichen Vorträge, Präsentationen und Workshops mit vielen international renommierten Referenten zur Verfügung. In der Praxis wurden moderne Trainingsmethoden mit ferngesteuerten Houbara Attrappen vorgeführt und über alte, überlieferte Gepflogenheiten gesprochen. Wer das Glück hatte und sich rechtzeitig in einer Liste eintragen konnte, durfte an Jagdausflügen auf dem Kamelrücken teilnehmen. In traditionellen Beduinenzelten war ein Erfahrungsaustausch mit Falknern aus aller Herren Länder im entspannten Umfeld möglich. Schon in der Wüste erwiesen sich unsere Wietinger Jagdhornbläser, die die Kultur der österreichischen Jagdmusik ausgezeichnet vorstellten, als wahrer Publikumsmagnet.

Damit unsere Wüstencamp-Bewohner nicht Gefahr liefen, gar den Bezug zum urbanen Lebensstil zu verlieren, stand am Montag ein Besuch in der großen Scheich-Zayed-Moschee und anschließend im Falcon-Hospital am Programm. Auch den restlichen Mitgliedern der Delegation, die in den einzelnen Hotels nächtigten, blieb dieser Besuch nicht verwehrt. Die Moschee war atemberaubend und man könnte allein über dieses monumentale Bauwerk und die gesammelten Eindrücke stundenlang erzählen. Es gibt einfach keine Worte, die ihre Schönheit und Pracht auch nur annähernd beschreiben würden. Beeindruckend auch die strikten, respektgebietenden Verhaltensregeln für Besucher.

Die Führung durch das Falcon-Hospital war sehr aufschlussreich und man konnte nur so staunen, mit welchem Aufwand und mit welcher Sorgfalt diese Einrichtung betrieben wird. Die Erfahrungen und neuen Erkenntnisse, die aus der Behandlung von 9000 Greifvögeln jährlich resultieren, können die auf Greifvögel spezialisierten Tierärzte auswerten und veröffentlichen. Sie kommen Falknern und ihren Greifvögeln auf der ganzen Welt zugute.

Da am Donnerstag die Eröffnung des „Festivals of Falconry“ im Al Forsan Sports Resort am Stadtrand von Abu Dhabi am Programm stand, wurden die unzähligen Vertreter der Nationen zu fleißigen Bienchen und dekorierten bereits am Mittwoch ihre Zelte. Hier zeigte sich eindeutig, dass wir ein harmonisches Team waren, das auch in stressigen Situationen Besonnenheit bewahrte und alle Arbeiten Hand in Hand gingen. So wurde unser Zelt zu einem der einladendsten und gemütlichsten Treffpunkte am gesamten Festgelände. Davon zeugt auch unser eigens angelegtes Gästebuch mit vielen Einträgen. Ebenso zogen die Werke des Tiroler Goldschmieds Hannes Gamper viele Besucher an, was nicht weiter verwunderlich war, zumal seine kostbaren, mit Edelsteinen, Gold und Perlen besetzten Falkenhauben selbst in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Besonderheit waren.

Das Festgelände war sehr weitläufig und voller Attraktionen. Künstler präsentierten ihre Werke, Falknereiausrüster boten alles an was für die Falknerei nötig und unnötig ist, es gab ein eigenes Ressort nur für Familien, wo ihnen auf spielerische Art und Weise Greifvögel und ihre Lebensweise vermittelt wurden.

Selbst schlenderte man von Zelt zu Zelt, von einer Nation zur anderen, traf alte Bekannte aus fernen Kontinenten, tauschte Erinnerungsstücke oder einfach nur Erfahrungen aus.

An drei Nachmittagen wurde im Stadium vor Tausenden Zusehern und der Ehrentribüne, die von Mitgliedern des Königshauses und hochrangigen Würdenträgern besetzt war, die „Große Parade der Nationen“ zelebriert. Viele Nationen repräsentierten ihr Land in traditionellen Gewändern, andere zeigten sich in jagdlicher Tracht und wieder andere vertraten offenkundig ihren Club. Es war eine einmalige Gelegenheit, so viele Traditionen, so viele Kulturen zu sehen, geeint durch die gemeinsame Passion der Falknerei.

Beachtlich war auch die Leistung unserer Musiker. Wussten die Organisatoren anfangs nicht recht, was mit ihnen anzufangen wäre, so waren sie nach dem ersten Auftritt mit ihren Jagd- und Alphörnen vom Geschehen einfach nicht mehr wegzudenken. Am ganzen Festgelände waren unsere Jagd-und Alphornbläser an allen Tagen ein hochbegehrtes Fotomotiv, besonders die Alphörner hatten es dem Publikum angetan.

Traditionelle österreichische Jagdsignale schallten in die Golfregion hinaus, „Austrian hunting music“ repräsentierte unsere alpenländische Jagdkultur in allerbester Manier! Fernsehteams von verschiedensten arabischen Sendern mit einer Reichweite von 1,6 Milliarden Zusehern und Printmedien verkündeten frei nach Reinhard Fendrich: „We are from Austria“!

Donnerstagabend war unsere Delegation in die Residenz des österreichischen Botschafters Mag. Peter Elsner-Mackay geladen, der sich als Freund und Bewunderer der Falknerei erwies. Die guten Gespräche mit Falknern und Persönlichkeiten aus Abu Dhabi ergaben wertvolle neue Kontakte. Wir sehen den Empfang durch Herrn Botschafter Elsner-Mackey als Wertschätzung unseres Weltkulturerbes und sagen einen herzlichen Dank für die wunderbare Einladung.

Am Freitagabend, nachdem das Festivalgelände für Besucher geschlossen war, luden die Gastgeber  zu einem großen „Arabian Night Dinner“ im Amphitheater neben dem Festivalgelände ein. Zu arabischen Klängen konnte man köstliche traditionelle Speisen genießen. Die Stimmung war, trotz der vielen Menschen, sehr familiär und in dem einen oder anderen von uns machte sich bereits ein wenig Wehmut breit, da bald die Abreise am Programm stand.

Am darauffolgenden Morgen brach die Truppe ein letztes Mal Richtung Festivalgelände auf. Besonders am Samstag füllte sich unser Zelt mit wichtigen Persönlichkeiten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die sich sichtlich freuten, den ÖFB-Präsidenten Dr. Barsch wiederzusehen.

Nach dem Zeltabbau, der wieder sehr rasch und geordnet ablief, mussten wir uns allmählich mit dem Gedanken anfreunden, dass sich eine wunderbare Woche in Abu Dhabi dem Ende näherte. Bis der Flughafentransfer die Gruppe vom Hotel abholte, genoss man im Hotelgarten noch die sommerlichen Temperaturen und ließ die Woche, die Ereignisse, die Erlebnisse und die gesammelten Eindrücke Revue passieren. Einige Mitreisende brachten auch schon Ideen ein, die die Messlatte für künftige Ereignisse wieder ein Stückchen höher rutschen ließ.

Zahlreiche positive Rückmeldungen geben uns die Überzeugung, dass wir Falkner und Jagdmusiker zum Ansehen der Jagd und ihrer Kultur in Österreich, über Kontinente hinweg, einen wertvollen und würdigen Beitrag geleistet haben.

Unseren großzügigen Gastgebern sagen wir einen herzlichen Falknersdank! His Highness Sheikh Hamdan bin Zayed Al Nahyan, Ruler`s Representative in the Western Region, hat bereits eine Einladung zum nächsten Festival in drei Jahren ausgesprochen.

Es wäre schön wieder dabei zu sein. In schā’a llāh!

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