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Die neue Rotwild-Tbc-Verordnung

Rotwild_Kahlwild_Christian Ammann

Die Vorarlberger Landesregierung hat mit Beschluss vom 13.09.2016 die neue Rotwild-Tbc-Verordnung beschlossen. Die Änderungen wurden am 22.09.2016 im Vorarlberger Landesgesetzblatt (LGBl.Nr. 88 und 89/2016) kundgemacht und sind daher bereits am 23.09.2016 in Kraft getreten.

Verordnung der Landesregierung zur Vorbeugung und Bekämpfung von Tuberkulose in Rotwildbeständen (kurz: Rotwild-Tbc-Verordnung)

Mit der letzten Gesetzesänderung im Mai 2016 wurden mittels gesetzlicher Verordnungsermächtigung Vorkehrungen zur Vorbeugung und Bekämpfung von ansteckenden Tierkrankheiten bzw. zur Erhaltung eines gesunden Wildbestandes ermöglicht. Nachdem die Rotwild-Tbc-Verordnung des Bundes erst ab einer Prävalenz des Krankheitserregers von 35% zur Anwendung kommt, sollen mit der vorliegenden Rotwild-Tbc-Verordnung des Landes bereits ab einer niedrigeren Prävalenz landesrechtliche Maßnahmen gesetzt werden können, soweit dies notwendig ist, um einen gesunden Rotwildbestand zu erhalten bzw. das Übertragungsrisiko von Tuberkulose zu minimieren. Die vorliegende Rotwild-Tbc-Verordnung des Landes enthält folgende wesentliche Bestimmungen:

Festlegung von Tbc-Bekämpfungsgebieten

In Anlage./1 der Tbc-Verordnung wurden nach wildökologischen und epidemiologischen Gegebenheiten konkrete Vorarlberger Jagdgebiete zu Tbc-Bekämpfungsgebieten erklärt, wobei sich die Tbc-Bekämpfungsgebiete wiederum in Tbc-Kern, Tbc-Rand und Tbc-Beobachtungsgebiete gliedern.

Festlegung von jagdlichen Maßnahmen zur Vorbeugung und Bekämpfung von Tbc

Nach § 4 der Tbc-Verordnung ist in Jagdgebieten des gesamten Tbc-Bekämpfungsgebietes und in solchen, die an dieses angrenzen, jedes Stück Wild, bei dem der dringende Verdacht auf eine Tbc-Erkrankung besteht, ungeachtet der Schonzeit und des Abschussplanes zu erlegen. Ein dringender Verdacht auf eine Tbc-Erkrankung liegt nach den erläuternden Bemerkungen der Tbc-Verordnung dann vor, wenn äußerliche Symptome wie Husten und Abmagerungen feststellbar sind.

Im Tbc-Kern und Tbc-Randgebiet können Abschüsse ungeachtet der Schonzeit für alle Klassen des Rotwildes ganzjährig durchgeführt werden. Der Jagdnutzungsberechtigte ist im Tbc-Kerngebiet verpflichtet, das Rotwild intensiv zu bejagen. Zudem können im gesamten Tbc Bekämpfungsgebiet mit Bescheid Wildlenkungsmaßnahmen (zB Kirrungen oder Wildsalzlecken) bzw. Maßnahmen zum Fütterungsmanagement aufgetragen werden.

Sofern durch die oben genannten Maßnahmen sowie jenen des Vorarlberger Jagdgesetzes nicht das Auslangen gefunden werden kann, kann die Behörde im gesamten Tbc-Bekämpfungsgebiet Abschüsse an der Kirrung, im Bereich der Winterfütterung oder im Wintereinstandsgebiet auftragen. Vor Erteilung eines solchen Auftrages ist jedoch zwingend eine veterinärmedizinische und eine wildbiologische Stellungnahme einzuholen.

Grundsatz des gelindesten Mittels

An dieser Stelle weise ich ausdrücklich darauf hin, dass aus den Materialien zur Tbc-Verordnung klar und eindeutig zu entnehmen ist, dass die Behörde bei der Handhabung der jagdlichen Maßnahmen am Grundsatz des gelindesten Mittels festzuhalten hat und ausschließlich die gelindeste noch zum Ziel führende Maßnahme anzuwenden ist. Mit anderen Worten: Die Anordnung von Abschüssen darf erst verfügt werden, wenn andere gelindere Mittel weder möglich noch zielführend waren.

Probenziehung im Tbc-Bekämpfungsgebiet

Im Tbc-Kern und Tbc-Randgebiet hat der Jagdnutzungsberechtigte bei allen erlegten Rotwildstücken, ausgenommen Rotwildkälber, den Kehlkopf mit den retropharyngealen Lymphknoten samt vollständigem Lungentrakt oder bei weiblichen Rotwildstücken oder Schmalspießern alternativ dazu auch das Haupt inklusive der vollständigen retropharyngealen Lymphknoten unverzüglich dem Amtstierarzt zur weiteren Untersuchung zu übergeben. Im gesamten Tbc-Bekämpfungsgebiet kann die Behörde diese Verpflichtung für zahlenmäßig sowie nach Altersklassen und Geschlecht bestimmte Rotwildstücke mit Bescheid vorschreiben.

Sämtliche im Tbc-Bekämpfungsgebiet aufgefundenen und untersuchungstauglichen Rotwild-Fallwildstücke sowie Rotwild-Hegeabschüsse – sofern der Transport geländebedingt zur nächsten Straße zumutbar ist – sind unverzüglich dem Amtstierarzt zur Probenentnahme vorzulegen.

Probenziehung außerhalb des Tbc-Bekämpfungsgebietes

Zur Festlegung der Tbc-Prävalenzrate außerhalb des Tbc-Bekämpfungsgebietes ist der Jagdnutzungsberechtigte verpflichtet, dem Amtstierarzt unverzüglich Probenmaterial von erlegten Rotwildstücken gemäß Stichprobenplan zu übergeben. Der Stichprobenplan ist als Anlage./2 der Tbc-Verordnung bereits konkret vorgegeben. Der sogenannte Tbc-Stichprobenplan außerhalb des Tbc-Bekämpfungsgebietes wurde nach veterinärmedizinischen Erfordernissen festgelegt. Sollte der Stichprobenplan nicht erfüllt werden, kann die Behörde das benötigte Probenmaterial vom Jagdnutzungsberechtigten durch die Anordnung von Abschüssen einfordern. In diesem Zusammenhang ist wieder auf die Materialien der Tbc-Verordnung zu verweisen, die klar festhalten, dass bei der Anordnung der Abschüsse (bzw. Zuordnung dieser Abschüsse auf die Jagdgebiete) die Behörde im Einvernehmen mit dem Hegeobmann vorzugehen hat. Zudem leitet der Hegeobmann die Durchführung der Abschüsse für die Probenziehung.

Vorgangsweise bei festgestelltem Tbc-Verdacht / Probenziehung bei anderen Wildarten

Werden bei erlegtem Rotwild Organveränderungen festgestellt, die auf das Vorliegen einer Tbc-Erkrankung schließen lassen, hat der Jagdnutzungsberechtigte den Wildkörper inklusive Darmtrakt, Lunge, Herz, Leber, Milz und Niere einem Amtstierarzt vorzulegen. Zur Feststellung der Tbc-Prävalenz bei anderen Wildarten kann die Behörde dem Jagdnutzungsberechtigten mit Bescheid die Verpflichtung zur Übergabe von näher zu bestimmendem Probenmaterial zahlenmäßig und erforderlichenfalls auch nach Alter und Geschlecht zu bestimmenden Stücken anderer Wildarten vorschreiben.

Rotwild-Fütterungshygiene

Futterplätze samt allfälliger Fütterungseinrichtungen und Mistlagerplätze sind im Bereich von Weideflächen von Jagdnutzungsberechtigten so abzuzäunen und abgezäunt zu halten, dass der Zutritt von Weidevieh verhindert wird. Der Jagdnutzungsberechtigte hat alle Futterplätze samt allfälliger Fütterungseinrichtungen nach dem Ende der Winterfütterung fachgerecht zu reinigen.

Darüber hinaus sind im Tbc-Kern- und im Tbc-Randgebiet alle Futterplätze samt allfälliger Fütterungseinrichtung nach dem Ende der Winterfütterung fachgerecht zu desinfizieren. Im Tbc-Bekämpfungsgebiet hat der Jagdnutzungsberechtigte bei Futterplätzen anfallende Futterreste sowie die Losung auf einem geeigneten Mistlagerplatz mindestens ein Jahr zwischenzulagern. Das zumindest ein Jahr zwischengelagerte Material darf auf Weidegebieten erst nach Ende des Weidebetriebes ausgebracht werden.

Wildsalzlecken sind so zu situieren, dass der Zugang von Weidevieh verhindert wird. Im Tbc-Bekämpfungsgebiet ist während der Weidezeit die Vorlage von Wildsalzlecken auf Weideflächen verboten.

 

 

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