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Die beiden Jagdpatrone: St. Eustachius und St. Hubertus

03.11.2015

Albrecht Dürer (Hl.Eustachius) 1498
Albrecht Dürer (Hl. Eustachius) 1498

Aus früheren Jahrhunderten sind einige Abbildungen erhalten, die einen meist knieenden Jäger darstellen, dem ein Hirsch mit einem Kreuz zwischen den Geweihstangen erschienen ist. Eines der bekanntesten Bilder stammt von Albrecht Dürer aus dem Jahre 1498 (siehe oben) – viele sind der Meinung, es sei die Abbildung des Heiligen Hubertus. In Wahrheit ist es in den meisten Fällen die Darstellung der Legende des Heiligen Eustachius.

Eustachius – der Fruchtbare

Das Namensfest des Heiligen Eustachius wird am 20. September gefeiert. Seine Legende ist historisch nicht belegbar. Er soll ein vornehmer römischer Feldherr unter Kaiser Trajan und ein eifriger Christenverfolger gewesen sein. Sein römischer Name war Placidus – griechisch: Eustachius.

Eustachius war nicht nur Soldat, sondern auch ein von wilder Jagdlust getriebener Jäger, dem bei einer Hatz zu Pferd ein Hirsch mit dem Kreuzzeichen zwischen den Geweihstangen erschienen sei. Dieses Erlebnis änderte schlagartig die Lebensweise des wilden Kämpfers. Eustachius ließ sich anschließend taufen. Nach dem Tode Trajans übergab der neue Kaiser Hadrian, anlässlich eines Dankopfers am 20. September 117 n.Chr. Eustachius dem Feuertod. Eustachius – „der Fruchtbare“ – gilt als Helfer in traurigen Familienangelegenheiten und verzweifelten Situationen. Er zählt zu den 14 Nothelfern.

Die Eustachiuslegende kam aus dem Orient nach Europa und ist schon im 8. Jahrhundert in Rom nachweisbar. Von Frankreich ausgehend wird die Legende ab dem 12. Jahrhundert zum gesamteuropäischen Kulturgut bis nach Skandinavien. Ursprünglich stand die Eustachiuslegende in keinem Zusammenhang mit der Jagd. Im Osten Österreichs wird das Andenken an den Heiligen Eustachius am 20. September gefeiert.

Der Hirsch, bei dem das Abwerfen und der Wiederaufbau des Geweihs das ständige Werden und Vergehen symbolisiert, wurde von der Kirche als personifizierter Ausdruck des Glaubens an das Weiterleben nach dem Tode angesehen.

St. Hubertus – Jagdpatron seit zirka 1680 n. Chr.

Um 1680 kam – ebenfalls aus Frankreich – die Hubertuslegende in den deutschsprachigen Raum. Hubertus ist im Gegensatz zu Eustachius historisch belegbar. Er war um 705 Bischof von Tongern-Maastricht und wurde später als Helfer gegen Hundebiss und Tollwut verehrt.

Es besteht kein Zweifel, dass Hubertus tatsächlich gelebt hat. Einige Jahre nach seinem Tod verfasste ein Benediktinermönch die Lebensgeschichte von Hubertus mit der Aufzählung zahlreicher Wunderheilungen und Verbreitung des christlichen Glaubens, die ihm den Ruf eines „Apostels der Ardennen“ einbrachte.

Im 16. und 17. Jahrhundert waren wieder die griechischen und römischen Gottheiten – wie Artemis, Diana und Skadi (Skandinavien) – populär, nachdem zur Reformationszeit besonders im protestantischen Raum St. Eustachius und St. Hubertus ihre Bedeutung verloren hatten. Erst am Ende des 17. Jahrhunderts (1692) ist eine Jägermesse zu Ehren des Hl. Eustachius in der Klosterkirche von Mariabrunn nachweisbar.

Im Jahre 1621, rund 900 Jahre nach dem Tod von St. Hubertus, brachte ein Jesuitenpater namens Roberti die Hirschwunderlegende in Verbindung mit St. Hubertus. Die Geschichte vom wilden Jäger Hubertus, der auf der Jagd plötzlich den Hirsch mit einem Kreuz zwischen den Geweihstangen vor sich sah und eine zürnende Stimme ihm zurief: „Ich erlöse dich und du verfolgst mich?“ verbreitete sich schnell und wurde in verschiedenen Versionen erzählt.

Mit der Vermischung beider Legenden kam es auch zu einer immer engeren Einbindung des Jagdgeschehens in christliches Gedankengut. Zum Symbol des Kreuzes schuf der mystische Geist des Mittelalters weitere Gleichnisse: Die Abbildung des Hirsches als „Kronenzehner“ – die Zehnerzahl der Enden = Zehn Gebote und die Dreierkrone soll an die Dreifaltigkeit Gottes erinnern.

Heute wird in den meisten deutschsprachigen Ländern St. Hubertus als Jagdpatron am 3. November mit einer Hubertusmesse gefeiert.

Quelle: Vorarlberger Jagdzeitung November-Dezember 2015

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