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Appell der Vorarlberger Jägerschaft: Mehr Rücksichtnahme auf das Wild

Landesjägermeister Sepp Bayer und seine Stellvertreter Christof Germann und Jürgen Rauch:  „Wir laden die Menschen in Vorarlberg ein, sich ein echtes Bild über die Jagd zu machen.“

Landesjägermeister Sepp Bayer und seine Stellvertreter Christof Germann und Jürgen Rauch:
„Wir laden die Menschen in Vorarlberg ein, sich ein echtes Bild über die Jagd zu machen.“

Das neue Führungsteam der Vorarlberger Jägerschaft, Landesjägermeister Sepp Bayer und seine Stellvertreter Christof Germann und Jürgen Rauch, fordert ein ausgeglichenes Miteinander zwischen Mensch und Wildtier. Mit einer Informationsoffensive soll in der Bevölkerung Verständnis für das Wild und seinen Lebensraum geschaffen werden. Das Interesse an der Jagd in Vorarlberg steigt ständig an – pro Jahr machen 100 Jungjäger die Jagdprüfung, sogenannte „Grüne Matura“, darunter etwa 30 Frauen. Insgesamt zählt der Verein der Vorarlberger Jägerschaft 2.400 Mitglieder.

Medieninformation vom 14. Juli 2017

Die Wildtiere in Vorarlberg sieht man kaum – und gerade deshalb brauchen sie unseren Schutz, sind die Verantwortlichen an der Spitze der Vorarlberger Jägerschaft überzeugt. Das Wildtier steht daher im Mittelpunkt der Arbeit für die nächsten drei Jahre. Es geht um den Lebensraum für das Wild genauso wie um Verständnis und Toleranz für Tiere, erklärt Christof Germann: „Das Wild braucht zusammenhängende Rückzugsgebiete, um überleben zu können. Gleichzeitig zieht es aber auch die Menschen immer mehr in extreme Lagen und in die unberührte Natur. Hier gilt es gemeinsam ein faires Miteinander zu finden und diese Abgrenzungen zu respektieren.“

 

Mehr und wirkungsvollere Wildruhezonen

Eine Möglichkeit für gesicherte Rückzugsgebiete, vor allem während der Notzeit in den Wintermonaten, sind Wildruhezonen. Diese Gebiete, in denen das Betreten verboten ist, gibt es zwar in Vorarlberg. Übertretungen werden jedoch kaum kontrolliert und die Strafen sind so niedrig, dass sie nicht abschrecken (lediglich 2-3 Anzeigen pro Jahr). Anders in der Schweiz, wo mit Strafen ab 1.000 Franken gute Wirkungen erzielt werden. Ab Herbst starten im Land Arbeitsgruppen zur Verbesserung des Lebensraums für das Wild.

 

Wildtiere brauchen Schonzeiten

Vom Gesetzgeber wurden ganz gezielt Schonzeiten festgelegt, in denen das Wild nicht bejagt werden darf, um vor allem in den Wintermonaten für die zum Überleben notwendige Ruhe zu sorgen, so Landesjägermeister Sepp Bayer. Damit Ruhezeiten und Rückzugsgebiete für Wildtiere funktionieren, bedarf es eines fairen Schulterschlusses aller Naturinteressierten und -nutzer.

 

 

 

 

 

 

Totalabschuss in Freihalteflächen hinterfragen

Auf insgesamt 10.000 Hektar sogenannter Freihalteflächen muss jedes Wildtier ohne Rücksicht sofort erlegt werden, egal ob es sich um ein Kitz oder um eine 15-jährige Gams handelt. Freihalteflächen müssen von Wild absolut frei gehalten werden – der gesetzliche Befehl zum Totalabschuss, kritisieren die Jäger. Diese drastischen Maßnahmen sind in den Augen der Jägerschaft als letzte Konsequenz dort angebracht, wo Schutzwälder durch Wildverbiss tatsächlich stark bedroht sind.

Im Vergleich zu den Wildruhezonen wurde das Instrument des Totalabschusses von den Behörden in den letzten Jahren viel zu oft eingesetzt – auch in Regionen in welchen auch weniger drastische Maßnahmen zu Erfolg führen könnten. Die Forderung der Jäger: Mehr Rücksichtnahme auf das Wild. Die Verjüngung durch Schutzwald hat oberste Priorität, aber es muß genau geprüft werden, welche Flächen dafür wirklich notwendig sind und ob es auch andere Möglichkeiten gibt.

 

Mehr Wissen bringt mehr Verständnis

Ein großes Ziel des neuen Führungsteams ist es, das große Thema Natur und Wildnis einer breiten Bevölkerung nahe zu bringen. Landesjägermeister-Stellvertreter Jürgen Rauch ist mit der Jagd aufgewachsen und weiß, dass das Wissen über die Jagd die Grundvoraussetzung ist, um Vorurteile abzubauen und Verständnis für die Jagd und die Wildtiere zu schaffen. „Wir werden deshalb die schon jetzt sehr gefragten Waldführungen und Vorträge für Schulen ausweiten und im ganzen Land anbieten. Auch in Kindergärten möchten wir über das Leben der Wildtiere und den Wald informieren. Viele ehrenamtliche Jäger sind bereit, ihre Begeisterung für die Natur und das Wild mit den Kindern zu teilen.“ Bis im Frühjahr 2018 sollen Infopackages für Schulen und Kindergärten erarbeitet werden, vorgesehen sind neben Vorträgen mit Anschauungsmaterialien auch Aktivitäten in der Natur, wie Waldbegehungen oder Fütterungen.

Eine weitere Partnerschaft ist mit dem Wildpark Feldkirch geplant. Im Wildpark sollen öffentliche Vorträge über das Leben der Wildtiere genauso wie zu aktuellen Naturthemen angeboten werden. „Das Interesse an der Natur und an der Jagd ist vorhanden – bei Kindern genauso wie bei Erwachsenen. Es liegt an uns Jägern, diese Erwartungen zu erfüllen“, so Jürgen Rauch.

 

Tradition verpflichtet – auch dem Wildtier gegenüber

Die Tradition der Jagd verlangt eine ethische Jagdausübung mit Rücksichtnahme auf den Tierschutz und die Natur. Weidgerechtes Jagen heißt mit Anstand und Verantwortung die Jagd auszuüben und dem Wildtier gegenüber Respekt zu zeigen. „Ein gutes Beispiel ist der Umgang mit dem erlegten Tier, der sogenannte „letzte Bissen“. Diese alte Tradition symbolisiert Würde und Dankbarkeit dem Wildtier gegenüber – und ist auch ein drastischer Gegensatz zur Massentierhaltung.

Gams_Gernot Heigl

 

Leben der Wildtiere: Ökologisch und in Freiheit

Heimische Wildtiere genießen normalerweise optimale Lebensbedingungen – ein Leben in der freien Natur mit hochwertiger Ernährung. Die Jagd hat die Aufgabe, durch definierte Abschüsse für einen ausgewogenen Wildbestand zu sorgen – dies betrifft den Erhalt einer artenreichen Tierwelt genauso wie eine gesunde Altersstruktur. Jäger brauchen viel Geduld, Ausdauer und einen hohen Zeiteinsatz: „Es braucht im Schnitt 10 Pirschgänge, um einen einzigen Abschuß zu machen und ein Wildtier weidgerecht zu erlegen.“

 

Weiterbildung und Service für Mitglieder

Bei der letzten Generalversammlung im Mai wurde eine organisatorische Neuausrichtung der Vorarlberger Jägerschaft beschlossen. Der Landesjägermeister und seine Stellvertreter bilden gemeinsam die Spitze der Vorarlberger Jägerschaft, unterstützt von den vier Bezirksjägermeistern. Die Arbeitsweise im neuen Vorstand ist von Vernetzung und Teamarbeit geprägt, Aufgaben werden nach Kompetenzen übernommen. Landesjägermeister Sepp Bayer, Jäger in dritter Generation und langjähriges Vorstandsmitglied, will vor allem den Service für die Mitglieder der Vorarlberger Jägerschaft verbessern. So sollen zusätzliche Kurse und Weiterbildungen angeboten werden, geplant ist auch eine personifizierte Mitgliedskarte der Vorarlberger Jägerschaft. Sepp Bayer: „Das Interesse an der Jagd ist in Vorarlberg sehr groß – auch von Menschen, die nicht jagen, sondern mehr von den Zusammenhängen zwischen Wald, Wild und Ökologie verstehen wollen. Dieses Potential wollen wir nützen und damit Verständnis für die Jagd schaffen und unsere Position stärken.“

 

Immer mehr Frauen zieht es zur Jagd

In den letzten Jahren ist die Zahl der Jungjäger in Vorarlberg deutlich gestiegen. Etwa 100 Teilnehmer besuchen jährlich die Vorarlberger Jägerschule und absolvieren die Jagdprüfung. Die Motivation für den Besuch der anspruchsvollen Ausbildung ist für viele das Interesse an der Natur sowie die Verbundenheit mit unserem Lebensraum und erst in zweiter Linie die Ausübung der Jagd. Auffallend ist das wachsende Interesse der Frauen an der Jagd, das durch die steigende Zahl der weiblichen Teilnehmer an den Jagdkursen bestätigt wird. Etwa 10 Prozent der Vorarlberger Jäger sind weiblich, bei den Jagdprüfungen liegt der Anteil der Frauen inzwischen bei 30 Prozent. Der Verein der Vorarlberger Jägerschaft zählt etwa 2.400 Mitglieder.

 

 

 

 

 

 

 

 

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