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Anschuss-Seminar für Ausbildungsjäger

Cornelia Scheffknecht, Ausbildungsjägerin

Die Jagd ist mehr, als ein Stück zu erlegen. Ein Jagderlebnis kann man erst so richtig genießen, wenn man das jagdliche Handwerk lernt und ausübt. Es ist nicht allzu schwierig, mit der heutigen Waffentechnik ein Stück zu erlegen. Aber es gehört für den Jäger mehr dazu: beobachten, ansprechen, einen weidgerechten Schuss anbringen und, sollte es nicht im Feuer zusammenbrechen, kann ich sagen wie es gezeichnet hat, oder hab ich den Kugelschlag gehört? Weiß ich noch wo es gestanden ist? Kenne ich die Fluchtrichtung? Wann gehe ich zum Anschussort und wie verhalte ich mich richtig?

Wir Ausbildungsjäger wurden beim Anschuss-Seminar unter fachmännischer Leitung zum Thema Schuss- und Pirschzeichen unterrichtet. Was finde ich dort, wie gehe ich weiter vor, wie lange muss gewartet werden etc.?

Ein Anschussort kann von unerfahrenen Jägern zertrampelt und zerstört werden. Deshalb gilt für jeden Schützen nach dem Schuss: Ruhe bewahren und wenn das Wild geflüchtet ist mind. 15 Minuten warten, ruhig und langsam dem Anschussort sich mit geladener Waffe nähern (das Wild könnte noch in Sichtweite im Wundbett liegen und es bedarf eines sofortigen Fangschusses), auf keinen Fall nachstellen, sondern unbedingt vorher den Anschussort verbrechen und nach Schuss- und Pirschzeichen untersuchen: Schweiß, Eingriffe oder Ausrisse, Schnitthaare, Wildbretstücke, Knochensplitter bzw. Knorpel wären solche Zeichen. Vom Jäger ist unbedingt darauf zu achten, dass er keinen Schweiß auf die Schuhe bekommt und ihn verteilt! Dies erschwert die Nachsuche für den Hund erheblich.

Ein beschossenes Stück Wild verursacht wesentlich intensivere Eingriffe in die Bodenflora als ein ruhig dahinziehendes Stück. Hinzu gesellen sich am Anschuss, wie schon erwähnt, Schweiß, Panseninhalt, Knochensplitter etc. und Stressdüfte, die nur für einen erfahrenen Hund mit seiner feinen Nase erkennbar sind. Liegt ein Laufschuss oder ein Kieferschuss vor, muss mit einem erfahrenen Nachsuchengespann (Hundeführer mit Hund) das Wild auf seiner Flucht unverzüglich verfolgt werden. Bei der Nachsuche vermag der Hund die Individualspur des verletzten Wildes von kreuzenden frischen Spuren anderen Wildes zu unterscheiden und widersteht auch der Versuchung auf eine frischere Spur zu wechseln, obwohl diese für den Hund als sogenannte Verleitfährte attraktiver sein könnte. Diese Nachsuche endet immer mit einer Nottötung und stellt für jeden Jäger eine Ausnahmesituation dar, in der er richtig handeln muss, um dem Tier unnötige Schmerzen und Leiden zu ersparen. Eine Nachsuche auf weidwund getroffene Stücke muss auf alle Fälle auf die kalte Fährte erfolgen. Hier sind Geduld und Ausdauer gefragt. Hans Nickel führte uns mit seinem Jagdhund eine Nachsuche vor. Zu den in Vorarlberg anerkannten Schweißhunden gehören der Bayrische Gebirgsschweißhund, der Hannoversche Schweißhund und die Alpenländische Dachsbracke. Weidgerechtigkeit vor dem Schuss und nach dem Schuss muss für alle Jäger oberstes Gebot sein!

Im Anschluss an das Anschuss-Seminar erfolgte unter der fachkundigen Führung von RJ Manfred Vonbank eine Exkursion in den Wildpark Feldkirch.

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