Jun
9
2012

Mein erster Bock

Die Idee, die Jagdprüfung zu machen, wurde bei mir schon vor vielen Jahren geboren. Da ich einen starken Bezug zur Natur habe, wollte ich die Ausbildung zum Jäger machen, um noch mehr über dieses Thema zu erfahren und zu lernen.

Bei der letzten Jungjägerausbildung war ich dann endlich dabei. Als uns Erich Scheffknecht in der Jägerschule besuchte und uns zum Tontaubenschießen in Lustenau eingeladen hat, war für viele von uns klar, da machen wir mit. Nachdem wir den richtigen Umgang mit der Flinte bei den Instruktoren Egon Burtscher und Martin Rhomberg erlernen konnten, ging es dann zur Sache. Dem Einen oder Anderen lief es von Serie zu Serie immer besser, und die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Bei der Preisverteilung am Samstagabend wurde es am Schluss noch einmal richtig spannend. Der Bockjährling, der von Martin Rhomberg spendiert wurde, wollte keinen Erleger finden, da die Schützen der gezogenen Lose nicht mehr anwesend waren. Nach der 7. oder 8. Ziehung konnte ich es kaum glauben, als meine Nummer aufgerufen wurde. Ich hatte doch tatsächlich den Abschuss eines Bockjährlings gewonnen. Die Freude war natürlich riesengroß und die anschließende Feier dementsprechend lang. Martin Rhomberg meinte zum Abschluss: „Sobald du die Prüfung erfolgreich abgelegt hast, rufst du mich an und wir gehen miteinander auf die Jagd.“ Das war natürlich eine zusätzliche Motivation, die Prüfung im ersten Anlauf zu schaffen. Nach einer langen und intensiven Lernphase war es soweit. Am 14. Mai konnte ich dann die Jagdprüfung erfolgreich mit meinen beiden Mitstreitern Silvia und Daniel ablegen. Und wieder gab es einen Grund zum Feiern.

Am Samstag, den 19. Mai rief mich Martin Rhomberg an und fragte mich, ob ich mit ihm auf die Jagd gehe. Die Antwort kann sich wahrscheinlich jeder denken. Um 18:30 haben wir uns in Dornbirn getroffen und sind dann in sein Revier am Schwarzenberg gefahren. Mit dabei war auch sein 3-jähriger Dackel Moritz. Auf dem Hochstand angekommen, mussten wir nicht lange warten, bis die erste Geiß und eine Schmalgeiß auf die Lichtung zogen. Kurze Zeit später erschien eine Geiß mit zwei Kitzen, die nicht älter als drei Tage waren. Zwei Dachse und einen Hasen konnten wir auch noch beobachten.

Als dann ein starker Bock erschien, meinte Martin, dass sich der Jährling jetzt eine Zeit lang nicht blicken lassen wird. Der Bock markierte und zog weiter. Im Wald konnten wir ihn immer wieder schrecken hören. Es war bereits 21:15 als ich dann den Spießer doch noch ansprechen konnte. Ein Ast vor dem Wildkörper hat einen sicheren Schuss nicht zugelassen und das Büchsenlicht war auch schon grenzwertig. Als dann der alte Bock im Wald erneut schreckte, flüchtete der Jüngling und es wurde Zeit, den Hochstand unverrichteter Dinge zu verlassen.

Dass ich nicht zum Schuss kam, stimmte mich nicht traurig, denn somit bekam ich eine weitere Chance,  mit Martin auf die Jagd zu gehen. Am 23. Mai starteten wir den zweiten Anlauf. Vom Hochstand aus konnten wir wieder Rehe, Hasen und Dachse beobachten. Leider tauchte der alte Bock wieder auf der Lichtung auf, für uns ein Zeichen, dass sich der Jährling die nächste Zeit wieder nicht blicken lassen würde, und so war es dann auch. Als er dann um kurz nach 21:00 doch noch aus dem Wald auf die Lichtung zog, gab mir Martin das Zeichen zum Schießen. Mein Pulsschlag erhöhte sich auf die doppelte Frequenz, als ich den Finger an den Abzug legte. Der Bock stand breit und ich konnte ihm einen sicheren Schuss antragen. Er zeichnete deutlich, flüchtete jedoch hoch in den Wald. Nach einigen Minuten begann Martin mit seinem Dackel die Nachsuche. Für Moritz war es der erste jagdliche Einsatz auf der Schweißfährte. Umso größer war die Freude bei Martin, als Moritz den bereits verendeten Bock, der trotz einem perfekten Schuss noch über 100 Meter flüchtete, aufspüren konnte.

Martin überreichte mir mit einem kräftigen Weidmannsheil den Bruch. Nachdem wir in der bereits eingetretenen Dunkelheit das Auto erreicht hatten, trafen wir uns mit ein paar Jagdfreunden im Hotel Fetz und feierten die erfolgreiche Jagd. Anschließend fuhren wir zu Martin nachhause, brachen das Stück auf und richteten das Geräusch zum Mitnehmen her. Der Dackel Moritz hat sich dann in einem unbeobachteten Augenblick die Nieren geschnappt. Ich habe sie ihm gegönnt, denn er machte an diesem Abend einen super Job. Zu später Stunde und mit einem tollen Erfolg machte ich mich auf den Heimweg.

Den Einstieg ins Jagdleben mit einem so erfahrenen Jäger wie Martin Rhomberg zu machen ist nicht jedem vergönnt, ich durfte es und dafür bin ich ihm dankbar.

Weidmannsheil, Walter Isele

Über den Autor:
Jörg Gerstendörfer

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